Bünde, am Dienstag den 11.05.99
Hallo Leute,
eigentlich wollte ich mich - wie vor zwei Jahren aus Damp - wieder direkt aus der Kur melden. Ein Protokoll der ersten Woche hatte ich Euch schon geschrieben, bloß zum Modem anschließen und posten hat es dann nicht mehr gereicht. Deshalb hier nun mein Kurprotokoll:
Kurbericht aus Ahrenshoop
Knapp zwei Jahre nach meiner ersten Kur reichte ich zu Beginn
dieses Jahres einen Antrag auf Übernahme der Kosten für eine
erneute Kur bei meiner privaten Krankenversicherung ein. Nachdem
ich um die erste Kur zwei Jahre kämpfen mußte, war ich
gespannt, wie lange das Hin und Her nun dauern würde. Aber dann
die Überraschung - binnen zwei Monaten hatte ich die gewünschte
Genehmigung und mußte nun meine "stationäre
Heilbehandlung" innerhalb von 8 Wochen antreten. Eigentlich
viel zu früh, denn im Dienst befanden wir uns mitten in einer
Umbruchphase und der nächste Umbruch kündigte sich an - da
hatte ich der gesamten Chefetage in den letzten Wochen
klarzumachen versucht, wie unbefriedigend die derzeitige
Situation ist, und zu deren Bewältigung sogar zusätzliche
Überstunden genehmigt bekommen und jetzt dieses! Was nun? Der
Blick in den Kalender mit den kommenden dienstlichen Terminen bot
eigentlich nur einen guten Termin: Gleich nach den Osterferien.
Zwar hatte ich dann kaum Zeit zur Vorbereitung, weil die Kollegen
in den Ferien alle Urlaub angemeldet hatten, aber irgendwie
würde es schon gehen! Die Wochen bis zum Antritt der Kur waren
zwar mehr als streßig, aber nach unaufschiebbaren und zum Teil
recht anstrengenden Terminen in Kassel, Düsseldorf, Bad Homburg
bei Frankfurt und mittendrin auch noch lieben Besuchern aus Wien,
denen ich auch nicht absagen wollte, war dann der Tag der Abreise
gekommen. Nach kurzem Abschiedsessen mit "meinen (Paten-)
Kindern" mußten die letzten Klotten in den Koffer
verfrachtet werden und die Reise konnte am Dienstag, den 13.
April 1999 beginnen.
Als Kurort hatte ich mir dieses Mal Ahrenshoop in
"Mec-Pom" ausgesucht. Im Hausprospekt der Damp GmbH
hatte ich während der letzten
Kur gelesen, daß diese auch ein kleineres Haus an der
mecklenburgischen Ostseeküste betrieb. Da dieses Haus meine
beiden Voraussetzungen "See-Wasser vor der Haustüre"
und die von mir benötigten medizinischen Fachrichtungen
erfüllte, wagte ich den Sprung auf die Ostseehalbinsel Darß.
Zum einen wollte ich dieses Mal nicht in einen solchen
Riesenkoloß wie Damp, zum anderen verspürte ich wenig Lust auf
die Lieblingstherapie des dortigen Chefarztes, nämlich
Ergotherapie, Ergotherapie und noch mal Ergotherapie. Ich
empfinde es als viel nützlichere Ergotherapie, einen PC
aufzuschrauben, dort drin herumzubasteln und selbst wieder
zuzuschrauben, als z.B. Holzperlen auf eine Plastikschnur zu
ziehen.
Gesagt, getan, die Routenberechnungsprogramme auf meinem PC boten
Routen zwischen 450 und 600 Kilometern an, jenachdem, ob ich nun
über Berlin, über Hamburg, mit viel oder wenig Landstraße
fahren wollte. Bis zur Abfahrt wußte ich nicht noch nicht,
welche Strecke ich nun fahren würde - nur die
Reisegeschwindigkeit war klar: Weil ich mein Dreirad mitnehmen
wollte, mußte ich mit Anhänger fahren, so daß 80 km/h das
erlaubte Maximum waren.
Um 7.45 Uhr war es wirklich so weit, ich saß hinterm Steuer und
die Fahrt konnte beginnen. Ich wagte dann die Autobahnfahrt über
die A2 bis Hannover und war baß erstaunt, dort ohne Stau
hindurchzukommen. Aufgrund der guten Ratschläge einiger
Daheimgebliebenen unterließ ich dann den Trip um Berlin, sondern
fuhr gen Hamburg. Dort dann auf die Berliner Autobahn und
schließlich Richtung Rostock. Zwar ist die Küstenstrecke über
Lübeck wesentlich kürzer, aber das Verkehrsaufkommen dort soll
'auch nicht ohne' sein, deshalb zog ich mit meinem Hänger die
Autobahnroute vor. In Rostock ging es dann in die Pärie.
Plötzlich ein Schild auf dem ich gerade noch 'Fischland/Darß'
registrierte. also Steuer "hart backbord". Huch, was
war denn jetzt? Ich war auf einer reinen Dorfstraße gelandet.
Drehen widersprach meiner Ehre und war mit Hänger auch nicht
ganz unproblematisch. Zum "AufdieKarrtegucken" hätte
ich anhalten müssen, also immer der Nase nach, irgendwo würde
ich schon rauskommen. Aber die Benzinuhr neigte sich gefährlich
ihrem Ende zu, und in diesen kleinen Kaffs gab es mit Sicherheit
keine Tankstellen. Egal, unter den Koffern hatte ich ja noch den
Reservekanister. Als ich dann die nächste Hauptstraße
erreichte, las ich, daß ich eine "Entlastungsstrecke
Fischland/Darß" gefahren war. Ich hatte zwar keine
"Entlastung" verspürt, aber zumindest hatte ich nun
wieder einmal meine Meinung bestätiigt bekommen, daß die alten
Ortskerne mit ihrem Kopfsteinpflaster keine teueren
Verkehrsberuhigungsmaßnahmen benötigen. Ohne einen einzigen
Blick auf die Karte erreichte ich schließlich fast mit dem
letzten Liter Benzin im Tank die Reha-Klinik Ahrenshoop. Die
Aufforderung eines Routenberechnungsprogrammes, in
Ribnitz-Damgarten zu tanken, mißachtete ich wissentlich,
schließlich war Ahrenshoop doch "gleich um die Ecke"!
Daß dieses "gleich um die Ecke" dann doch noch 20 km
waren, machte doch erst einen weiteren Reiz der Fahrt aus. Das
letzte Stück ostdeutsche Landstraße hatte dann wenigstens das
Gute, daß ich jetzt im Schnitt tatsächlich nur 80 km/h gefahren
war. Gut gepeilt!
Nach der Anmeldung dann erst einmal
"Zimmerbesichtigung". Klasse, oberstes Geschloß mit
Blick aufs Meer! Später las ich, daß dieser Meeresblick bei
Privatbuchungen 10 DM Aufpreis pro Nacht kostet. Das Telefon
erschien auch unproblematisch, d.h. Anschlußmöglichkeiten für
meine Technik einschl. Modem. Hier würde ich mich die nächsten
Wochen wohlfühlen können. Mit etwas Phantasie hörte ich sogar
das Rauschen der Wellen und würde die Muße finden, mit
verträumten Blick aufs Meer ein wenig über mich, Gott und die
Welt nachzudenken. Was hatte ich nicht alles für gutgemeinte
Ratschläge mitbekommen:
| Nimm nicht wieder so viel ab! | Will ich wieder die Diät so rigoros durchziehen? Das ich das kann, habe ich mir ja in Damp mit 25 Pfund in 5 Wochen selbst bewiesen. |
| Schalte ab! | Wovon genau? |
| Bring Dir ein "Ossi-Mädchen" mit! | Will ich das überhaupt? Ich bin doch hier nicht auf dem Thai-Markt! |
| Tu etwas für Deine Gesundheit! | Das sowieso. |
| Gehe in die Sonne, damit ein "Schatten" fallen kann! |
Chancenlos, ich hab die Meßlatte in Damp zu hoch gelegt! Andrea (Kurschatten Damp) wo bist Du? |
| Ruf aber bitte gelegentlich (im Büro) an! |
Och, das Büro interessiert mich schon am 2. Tag herzlich wenig! |
Beim Abendessen die erste Begegnung mit den Tischpartnern. Gegenüber ein älteres Paar, von dem ich später erfahre, daß es sich um Vater und Tochter handelt. Die Tochter erinnerte mich sogleich an meine "Kur-Oma" in Damp, mütterlich besorgt, erklärte sich sofort bereit, meine Versorgung mit Tee und auch Eßbarem (notfalls an den Diätassistentinnen vorbei) zu übernehmen. Komisch daß ältere Frauen - bei meiner Mutter angefangen - nicht ertragen können, wenn ich hungern muß. Meine Tischnachbarin ist Bremerin mittleren Alters, die Kinder sind aus dem Haus, sie ist auf eigene Kosten hier, weil sie das Gefühl hatte, einmal etwas für sich tun zu müssen. Schön, wenn sie es sich leisten kann - egal, solange sie einigermaßen sympathisch bleibt.
Mittwoch, 14. April
Die erste Begegnung mit meinem Doc. Ein jüngerer, trotzdem recht
praktisch denkender Arzt. Meinem Wunsch, mir in der ersten Woche
nicht gleich zuviel Behandlungen aufzubrummen (weil mir die
Überstunden seit Mitte Dezember doch in den Knochen sitzen),
kommt er nach [...]. Außerdem geht er davon aus, daß ich wieder
abnehmen will, seine diesbezügliche Frage ist rein rhetorischer
Natur. Der Kommentar seiner Vorzimmerdame: "Da werden Sie
hungern müssen!" ist zwar wenig aufbauend, [...]!
Das Wetter wechselt beständig zwischen Regenschauer und
Sonnenschein. Eine mittägliche Regenpause nutze ich zur
Rollifahrt über die Straße auf den Deich. Gleich mal den
"behindertengerechten" Strandübergang testen. Okay,
bis ans Wasser reicht der Bretterpfad nicht, aber ich kann mir
schon eine steife Ostseebrise um die Nase wehen lassen -
HERRLICH! Am Nachmittag schon die erste Krankengymnastik. Diese
Therapeutin macht einen sympathischen Eindruck und hat fachlich
auch etwas drauf - die will ich behalten! Leider stehen auf
meinem Therapieplan für den Rest der Woche andere Therapeuten.
Egal, teste ich sie halt alle mal durch!
Am Abend schwinge ich mich dann das erste Mal aufs Fahrrad, zwar
hatten die Tischkollegen von der Fahrt nach Ahrenshoop aufgrund
der momentanen Baustelle abgeraten, aber das mußte ich selbst
testen. Erst einmal auf den Deich rauf. Uff, die Gangschaltung
braucht dringend einen Tropfen Öl! Nach kurzer Fahrt kam die
Baustelle. Egal, ich erinnerte mich an eine Nebenstraße, die war
zwar nicht geteert, aber die Betonplatten rührten garantiert
noch von Adolf (Hitler). Entsprechend huckelig waren sie
mittlerweile auch, trotzdem ließ ich mich nicht entmutigen. Im
Gegenteil, ich beschloß auf der Boddenseite zurückzufahren.
Keine Ahnung, ob ich die richtige Abzweigung zur Klinik
zurückfinden würde, die Wegweiser gaben nur Fernziele in 10, 12
und 15 Kilometern an, die wären am ersten Fahrradabend ein wenig
weit, schließlich hatte ich fast ein ganzes Jahr kein Rad
gefahren. Auch der Rückweg wurde natürlich immer länger.
Vorbei an einem Jagdgebiet kam endlich ein Weg nach links. Ob der
zur Klinik führte? Egal, Hauptsache wieder Richtung bewohntes
Gebiet! Nach der nächsten Biegung sah ich, daß ich den
richtigen Riecher gehabt hatte - ich fuhr direkt auf die Klinik
zu. Trotz des wunderbaren Wetters war ich bei der Rückkehr doch
etwas erstaunt, als viele Patienten oben auf den Balkonen
standen. Plötzlich wußte ich warum, die wollten den
Sonnenaufgang nicht verpassen. Also schnell nach oben gewichst
und die Kamera scharf gemacht - fast wie früher auf meiner
zweiten Heimat, der Nordseeinsel Baltrum, als man noch schnell
zur Strandmauer raste, um den Sonnenuntergang zu fotografieren.
Donnerstag, 15. April
Grausam, ich mußte um 7.10 Uhr zur Blutprobe. [...] Da
Blutproben für mich sowieso ein großes Greuel sind (,Das ist
mein Blut, davon will ich nichts abgeben!'), ahnte ich Böses und
fragte [die MTA], ob ihre Kollegin [...] nicht sicherheitshalber
meine Hand festhalten solle? Ihre Antwort: ,Wer soll ihren Arm
festhalten?' Unnötig zu erwähnen, daß sich sonst niemand mehr
in der Nähe aufhielt, aber wenn mich schon eine Blondinne
pieksen durfte, dann wollte ich wenigstens mit der zweiten
Händchen halten dürfen! Trotzdem (oder gerade deswegen?)
schafften die beiden es, mir das Blut abzuzapfen und ich war
froh, die beiden ,Hübschen' wieder allein lassen zu können.
Um neun ließ ich dann die obliegatorische Patientenbegrüßung
über mich ergehen. Nebenbei erfuhr ich hier, daß die Klinik
außerhalb des Hauptgebäudes noch Appartements vermietet, für
Leute die nicht ins Hauptgebäude können oder wollen, weil sie
z.B. ihre Familie oder ihre Haustiere mitbringen wollen/müssen.
Klingeling, hatte mir nicht kürzlich jemand erzählt, daß der
Kurantrag seit einem Jahr in der Schublade schlummert, weil es
keine Bleibe für den Hund gibt?
Dann der erste Auftritt der Logopädie - ungewöhnlich,
Behandlung im Patientenzimmer. Also erst einmal Zimmer
aufräumen, bevor der/die Therapeut/-in auflief. Dann aufatmen,
zwar knallenge Lederhose aber keine Blondine (jedenfalls nicht
erkennbar)! Ihre Aufforderung, mein Problem darzulegen, ließ ich
mir nicht zweimal sagen, sondern legte gleich richtig los, um ihr
klarzumachen, daß ich ganz gut quasseln kann und ihre
Bemühungen höchstwahrscheinlich wenig bringen werden. Mal
testen, ob ich damit ihr Fachego beleidigt hatte! <grins>
Aber nein, meine Menschenkenntnis hatte mich nicht getäuscht,
die Dame erkannte meine Argumente an und bot mir an, die Therapie
gar nicht erst anzufangen. Momentmal, so knallhart war das nun
auch nicht gemeint - schließlich einigten wir uns auf zwei
Einheiten pro Woche. Aber neugierig mußte ich sie gemacht haben,
denn sie kündigte an, in eine der nächsten Einheiten mehr über
meine berufliche Tätigkeit wissen zu wollen. Immerhin, einen
ersten logopädischen Ratschlag hab ich auch schon von ihr
bekommen: Ich sei mit breiterem Mund besser zu verstehen, als mit
schmalerem Mund. Wenn ich also immer ein freundliches Lächeln im
Gesicht hätte, wäre ich besser zu verstehen! Ich werde deshalb
in diesen Bericht immer mal ein '<grins>' einbauen, damit
ihr diesen Bericht besser lesen könnt!
Beim nächsten Fahrradausflug kam ich wegen starkem Wind nicht
weit. Nur bis zum Strand. Der Wind hatte die Ostsee richtig in
Bewegung gebracht, die Wellen gaukelten mir fast vor, ich sei 'zu
Hause' - an der geliebten Nordsee.
Schade, daß ich bei diesem herrlichen Wetter heute nachmittag
Anwendungen hatte. Erst Fango, dann Massage. Prima, die Masseuse
war zwar auch blond, hatte aber [...] richtig Kraft in den
Fingern! Dann kurze Pause, um diesen Bericht zu vervollständigen
und auf zum Test der nächsten Krankengymnastin. Aber was war
das? Meine "Favouritin" von letzten Mal rief mich auf?!
Hatte sie die Nummer gewechselt und war nun nicht mehr KG5
sondern KG3? Das mußte ich nun aber sofort genauer wissen! Auf
meine hartnäckige Frage gestand sie mir dann, daß ihre Kollegin
noch recht neu im Beruf sei, und sich meine Behinderung noch
nicht zutraue. Prima, unter den Krankengymnastinnen hatte mein
Erscheinen also schon für mächtig Unruhe gesorgt!
<lautlach> Ich habe ja schon immer behauptet, daß nicht
jederfrau mit mir fertig wird! Klasse, daß die wenigstens offen
drüber diskutiert und intern getauscht haben, um zu mir das
offenbar beste Pferd im Stall ins Rennen zu schicken! Mal sehen,
morgen hätte ich auch wieder bei KG3, wer denn morgen sich
opfern muß. Ob diese Unruhe unter den Krankengymnastinnen auch
der Grund ist, warum ich außerplanmäßig morgen schon wieder
zum Doc zitiert bin? <grins>
Nach dem Abendessen steht mir eine schwere Entscheidung bevor.
Gehe ich zum Skat- und Rommé-Turnier oder schwinge ich
mich noch mal aufs Rad? Wer mich kennt, weiß gut, wie gerne ich
(der als Einzelkind aufgewachsen ist) die Gelegenheit zum
Kartenspielen nutze. Aber heute abend lockte die Sonne doch zu
sehr. Nachdem meine Tante (der ich telefonisch zum Geburtstag
gratulierte) mir erzählt hatte, daß heute morgen in Bünde
Schnee lag, schwang ich mich zu meiner einsamen Radtour auf. Nach
einigen Fahrradkilometern über den Deich und durch den Wald,
knackt es plötzlich laut unter einem meiner Reifen. Keine Panik,
es war nur ein trockner Ast - trotzdem wird mir bewußt, wie
aufgeschmissen ich plötzlich wäre, wenn aus einem meiner Reifen
die Luft entweichen würde, nicht einmal die Luftpumpe hatte ich
dabei! Das würde ein langer, langer Fußmarsch mit knurrendem
Magen werden - ab morgen werde ich mindestens mein Handy
mitnehmen, auch wenn fraglich ist, ob ich hier in den tiefsten
Wäldern einen Funkempfang habe.
Soeben zurückgekehrt, zeigt der Blick in den Spiegel meine
krebsrote Stirn und Ohren. Während die Daheimgebliebenen den
Schnee verwünschen, hole ich mir den ersten Sonnenbrand!
Freitag, 16. April
Heute war absolut nicht mein Tag - schon beim ersten Anziehen kam
ich ins Schwitzen. Zwar bekam ich beim Chefarzt weder eine
Abmahnung noch einen Verweis (warum auch?), im Gegenteil, er
erkundigte sich nach meinem Wohlbefinden und meiner
Zufriedenheit. Ich nutzte die Gelegenheit, ihm beizubringen, daß
ich nicht bereit sei, seine ganze Schar an Krankengymnastinnen
durchzutesten. Er wollte sich drum kümmern. Soweit so gut.
Vor Mittag empfing mich dann wieder meine Lieblingstherapeutin,
die zwar versucht hatte, sich durch einen Überschlag mit dem
Auto zu drücken, aber gottlob unbeschadet aus ihrem Ex-Auto
herausgekommen war. Morgen würde sie aber nicht da sein, weil
sie übers Wochenende zum Kongreß in Damp sei. Im übrigen war
sie heute völlig unzufrieden mit mir. Das sei wohl der berühmt,
berüchtigte "3. Tag". Auch der heutige Masseur (mein
erster männlicher Therapeut!) beklagte sich, ich sei nicht
entspannt genug. Trotz herrlichem Sonnenschein war ich noch nicht
länger draußen gewesen und fühlte mich auch zu schlapp, um
noch eine Runde mit dem Radel zu drehen. Im Therapieplan für
nächste Woche steht nun tatsächlich nur noch eine
Krankengymnastin von Montag bis Freitag. Aber welche? Nämlich
die KG3, das Greenhorn, das vor mir zurückschreckt! Also würde
die nächste Woche diesbezüglich ebenfalls unbestimmt
weitergehen. Vor dem Abendessen gab ich mir dann doch einen
kräftigen Ruck und zog mir wenigstens richtige Klamotten an.
Aber was dann? Zum "Tanzbein schwingen" zog mich
bestimmt nichts hin, außerdem lachte die Sonne draußen immer
noch. Trotzdem ich meine Radelleistung nach den 5 und 8
Kilometern vorgestern und gestern heute bestimmt nicht steigern
würde, setzte ich mich noch einmal auf den Tretesel. Mein Ziel,
im Laufe der Kur mindestens einmal bis Born zu fahren (Entfernung
9 km) zu fahren und mich dort mit einem Pils zu belohnen, würde
ich zwar heute nicht näher kommen, aber ich hatte wenigstens
noch 4 km Sauerstoff getankt. Allerdings endete der Tag - trotz
erneuten herrlichen Sonnenuntergang - wie er begonnen hatte, es
sollte nicht mein Tag sein. Ich bekam nämlich beim Versuch,
meine D1- Karte vom Autotelefon ins Handy zu stecken, diese noch
kaputt. <nichtgrins>
Samstag, 17. April
Heute steht nur Krankengymnastik auf dem Programm, bevor das
Wochenende beginnt. Leider gießt es draußen in einer Tour, so
daß Fahrradfahren ohnehin keinen Spaß machen würde. Ich lege
deshalb einen "Autotag" ein. Vor dem Mittag düse ich
eben nach Rostock, um mir eine neue Handy-Karte zu ordern und
nachmittags führt mich die Tour nach Stralsund. Da es abends
immer noch aus Eimern gießt und mich die angebotene Modenschau
mitten unter lauter Omis wenig reizt, beschließe ich den Tag mit
einer warmen Dusche und einem Lese- und Fernsehabend zu
beschließen.
Sonntag, 18. April
Heute hatte ich mich vom Mittagessen abgemeldet, weil ich
überlegt hatte, den ganzen Tag zu nutzen, um eine ehemalige
Kollegin mitsamt ihrer Familie in Berlin zu besuchen. Angesichts
einer Entfernung von ca. 300 km setzt aber doch noch rechtzeitig
der Verstand ein und gibt der Erholung dem Vorzug. Da das Wetter
weiterhin recht ungastlich ist, wird trotdem ein zweiter Autotag
draus. Die "kleine Tour" führt mich über
Rostock-Warnemünde ganz an der Küste lang bis zur Halbinsel
Poel. Herrliches Fleckchen Erde hier und da ich im Jahr der Wende
das erste Mal hier war, fallen mir besonders die Veränderungen
auf. Hier kann man richtig sehen, wohin die
Solidaritätsbeiträge unsereiner hingefloßen sind. Im Straßen-
und öffentl. Hausbau hat sich allerhand getan, auch wenn es noch
längst nicht die Kohl'schen "blühenden Landschaften' sind.
Bei Rückkehr um drei pfeift der Wind immer noch lausig kalt, so
daß ich schon anfange, meine Korrespondenz zu schreiben,
schließlich hoffe ich noch auf 3 Wochen Sonnenschein, dann hab
ich zum Schreiben auch keine Lust. Aus diesem Gründe beschließe
ich auch, diesen Kurbericht morgen abzuschließen, dann ist eine
Woche um und den Rest könnt ihr in Eurer Phantasie
weiterspinnen. Eine Ergänzung gibt's nur in besonders
dramatischen Situationen (Schneefall, Langeweile, etc.).
Jetzt gehe ich jedenfalls erst noch einmal in den lausig kalten,
aber trocknen Wind.
Montag, 19. April
Heute geht es nicht nur dem Wetter, sondern auch mir besser. Es
ist zwar noch lausig kalt aber trocken und sonnig. Nach dem
Frühstück beginnt das "Muskelentspannungstraining",
ich bin gespannt, ob ich die fünf Termine ohne Einschlafen
übersteh (hilf nämlich angeblich auch bei Einschlafproblemen).
Bei der Krankengymnastik sind wir nicht mehr allein, sondern eine
zweite Therapeutin mit ihrer Patientin im Raum, erst nachher
erfahre ich, warum - offenbar war die zweite Therapeutin die KG3,
die wohl langsam an das Raubtier F.W. <grins> gewöhnt
werden soll. Zur Versöhnung schlägt mir meine Therapeutin eine
Therapiestunde in der Schwimmhalle vor - lerne ich doch noch mal
das Schwimmen wieder?
Abschluß
Die Rehaklinik Ahrenshoop ist kleiner und beschaulicher als Damp.
Damp bietet als Schickeria-Jachthafen ein größeres
Freizeitangebot. Wer ständig Rummel, Treiben, Kneipen,
Tanzschuppen etc. um sich herum benötigt, ist in Damp besser
aufgehoben. Wer es lieber beschaulich mag und auch der Einsamkeit
positive Seiten abgewinnen kann, der fühlt sich in Ahrenshoop
wohler. Ich bereue meine Wahl jedenfalls noch nicht!
So, nun nehme ich noch alle spitzen Pfeile gegen Blondinnen, Ossis, Ärzte, Therapeutinnen und 'was weiß ich' mit einem Ausdruck des unaufrichtigen Bedauerns zurück und gratuliere all denjenigen, die bis hierher gelesen haben ohne einzuschlafen! [...]
Ahoi,
Frank aus OWL