Silvester in Berlin vom 29. Dezember 2000 bis 1. Januar 2001

Reisebericht von meiner Silvester-Reise mit Wolfgang Grabowski

Zum Jahreswechsel 2000/2001 hatte Wolfgang Grabowski zur Silvester-Party nach Berlin eingeladen. Nachdem ich mich zunächst nicht entscheiden konnte, stand Ende November dann doch fest, ich würde mich zum dritten Mal im Jahr 2000 nach Berlin aufmachen.

Am Freitag, den 29. Dezember 2000 ging es dann um 11:15 Uhr los. Da ich die Fahrt ausnahmsweise mal ausgeruht und ausgeschlafen antrat, waren die fast genau vierhundert Kilometer bei schönstem Sonnenschein und Temperaturen von +1 bis +4 °C für mich kein Problem. Gegen 15:15 Uhr traf ich im Hotel Estrel (http://www.estrel.com), dem größten Hotel Deutschlands mit 1.125 Zimmern und Suiten, ein. Hinter dem Eingang hatte Jutta Grabowski sich mit einem großen Stand postiert, an dem wir mit Sekt und Orangensaft begrüßt wurden. Bei der Zimmernummer 40822 schlackerten mir zwar erst die Ohren, aber Helfer Ludger besorgte mir schnell meine Zimmerkarte und ich lernte, dass mein Zimmer im Flügel 4, 8. Etage, Zimmer 22 lag.

Um 19:00 Uhr sammelten wir uns zum Abendessen in der Orangerie. Nachdem Wolfgang gegen 20:00 Uhr einen vorletzten Teil der Reisenden vom Bahnhof oder Flughafen geholt hatte, gab es dann ab eine heiße Brühe, riesige Teller mit drei kleinen Schweinesteaks, Möhren, Broccoli und Spätzle und zum Nachtisch einen Obstteller. Nach dem Abendessen klang der Anreisetag gemütlich in der Halle des Hotels mit seinen vielfältigen Möglichkeiten aus.

Bernhard und Ludger Bernhard und Helfer Ludger warten auf das Abendessen.

Am Samstag konnte man ab 7:00 Uhr frühstücken, um 9.45 Uhr war Sammeln zur Stadtrundfahrt angesagt. Wir hatten zwei Busse mit Rollstuhllift und einen Bulli zur Verfügung. Nach Verladung aller Reisenden incl. Rollstühle, Traktoren, Dreiräder etc. konnten wir dann um 10.25 Uhr abfahren.

Stadtführer und Busfahrer

Stadtführer Jens Wiese bot uns eine interessante und abwechselungsreiche Tour durch Berlin, die auch für mich als x.te Berlinführung überhaupt und als zweite im Jahr 2000 noch sehr interessant war. Es ging von Neukölln über die "Dörfer" mit ihren Kolonistenhäuser und Gründerzeitgebäuden, den Hermannplatz (Umschlagplatz für Drogen, größte Karstadtfiliale), Kreuzberg (größte türk. Stadt außerhalb der Türkei), und die Oranienstraße nach Bethanien (ältestes Krankenhaus Berlins). Entlang der ehemaligen Mauerlinie an der Holzhütte eines türk. Einsiedlers vorbei, durch Friedrichshain, über den Alexanderplatz zum Klosterviertel.

Dort in der Letzten Instanz ertränkte schon mancher seinen Kummer, wenn er bei der ordentlichen Gerichtsbarkeit unterlegen war. Durch das Nikolaiviertel, vorbei am Berliner Dom (http://www.berlin.de/das-neue-berlin), die Humboldt-Universität, über die Französische Straße, den Gendarmenmarkt, die Friedrichstraße, am letzten verbliebenen Mauerrest vorbei, über den Potsdamer Platz, ging es zum Brandenburger Tor. Dieses bleibt leider zur Restaurierung über ein Jahr lang verhüllt) - wer es noch nie in natura gesehen hat, wird durch den Folienaufdruck nur schwach getröstet.

Menschenschlange vor Reichstag

Weiter geht es am Reichstag, den Tiergarten, und die Schwangere Auster (Berliner Nickname für die Kongresshalle) vorbei zum Schloss Bellevue. Der Bundespräsident Johannes Rau ist zur Zeit nicht in seiner Residenz, denn die Flagge ist nicht gehisst. Die Berliner spötteln etwas abfällig: 'Ist der Lappen oben druff, sind die Lumpen unten drin!' An der Siegessäule können wir noch vorbeifahren, die Straße "Unter den Linden" wegen den Vorbereitungen zu den Silvesterfeierlichkeiten bereits gesperrt. Weiter geht es am Zoo und der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche vorbei nach Charlottenburg. Dass dieser Ort ein ehem. Luftkurort sein soll, vermochte ich kaum zu glauben, bis der Stadtführer uns erklärte, dass Großstädte sich immer nach Westen ausdehnen, weil der Wind frische Luft von Westen bringt. Auch dass in Berlin echte Gaslaternen 35% der Stadtbeleuchtung ausmachen, hätte ich nicht gedacht. Weiter ging es über die Straße Kaiserdamm, am Funkturm vorbei, die Heerstraße, zum Olympiastadion, dann durch den Stadtteil Westend, am ICC vorbei, über die Avus, durch Grunewald, über den Ku'damm, die Mommsenstraße und die Tauentzien zum Potsdamer Platz. Dort bekamen wir dann von 13 bis 15 Uhr Zeit zum Bummeln. Da es recht kalt war, zog es uns recht bald in die Arcade. Dort im Aufzug machte ich mal wieder die Erfahrung, dass die Welt für Rollifahrer immer etwas anders ausschaut. Da ich nicht mehr mit in die Kabine passte, versprach ich der Gruppe, sofort in die erste Etage nachzukommen. Ich nahm dann den nächsten Aufzug (ganz allein) drückte auf "1" und stieg beim nächsten Halt aus. Aber wo war die Gruppe? Sollten sie schon langsam losgegangen sein? Also rechts alles abgesucht, Fehlanzeige. Schnell mit Vollgas nach links, aber auch dort Fehlanzeige. - Komisch, die hatten mich aber schnell abgehängt! Egal, ich kam ja auch allein zurecht. Also erst mal an der Metzgerei gestärkt und dann weitergebummelt. Aber was war denn das? Der Vobis Super Store war doch im Untergeschoß? Sollte ich etwa auf der falschen Ebene gelandet sein? Oh, dann hatten die anderen ja vergeblich auf mich gewartet! Mist, aber jetzt nicht mehr zu ändern, das Donnerwetter von Helferin Carolina musste ich noch überleben. Es fiel aber sehr lieb und nett aus.
Nach der Rückkehr ins Hotel gab es um 18:00 Uhr Abendessen (Champignon-Cremesuppe, Fleisch mit Bohnen, Peperoni und Röstkartoffeln). Hier schien ich als Fleischkoster völlig zu versagen, weil ich auf Geflügel (z.B. Hähnchen oder ähnliches) tippte. Bernhard behauptete es sei Schweinefleisch. Als die Serviererin beim Bezahlen auf meine Frage von Schweineschinken sprach, sprach alles dafür, dass Bernhard recht gehabt zu haben schien und ich musste ihm gratulieren. Allerdings ließ mir meine Feinschmeckerehre keine Ruhe, nach der Rückkehr stellte ich weitere Recherchen an und fand heraus, dass wir Putenfilet gegessen hatten!

Abendtalk

Dieter bei Stars in Concert

Um 19:45 Uhr begann dann Wolfgangs Kartenverteilung für die Show 'Stars in concert'. Nachdem es geheißen hatte, dass fast alle Reisenden in ein Konzert gingen, hatte ich mich entschlossen, mir doch auch ein wenig Kultur anzutun. Aber wie fast schon zu erwarten war, war das nicht mein Ding. Für solche Eintrittspreise (99,00 DM) möchte ich zumindest so viel Platz zum Sitzen haben, dass ich bei normaler Körpergröße von 1,80 m meine Beine gefahrlos irgendwo lagern kann, ohne andere zu belästigen oder dem Kellner eine Stolperfalle zu stellen.

Diese Enge wurde durch unsre Rollstühle natürlich noch verstärkt. Sechs sogenannte Stars wurden durch Doppelgänger dargeboten, wie "Rod Stewart, "Aretha Franklin", "Tina Turner", "The Blues Brothers", "Neil Diamond" und "The Four Temptations".
Nach der Veranstaltung standen die "Stars" dann noch für Photos bereit und nachdem Wolfgang dann mit dem neunten Photoapparat das obligatorische Photo geknipst hatte, versuchten wir uns noch ein Plätzchen in der Bar zu erobern.

Gruppe mit Stars

Einige erhaschten auch noch ein Autogramm von Udo Lindenberg, der sich in einer der anderen Veranstaltungsräume aufhielt.

Silvester bot Wolfgang uns eine Besichtigung des Reichstages, die ich mir allerdings entgehen ließ, weil ich dort gerade am 31. Mai gewesen war, stattdessen besuchte ich eine ehemalige Kollegin, die mit ihrer Familie jetzt in Velten wohnt. Um 18:15 begann Wolfgang mit der Ausgabe der Eintrittskarten für die Silvestergala. Die Aufgabenverteilung zwischen Bernhard und mir klappte ausnahmsweise hervorragend, heute ließ ich ihn am Eingang einfach in Stich und besorgte statt dessen gute Sitzplätze.

Büffett Beim Betreten der Räumlichkeiten konnten wir bereits große Teile des Büffets bewundern, dass für uns vorbereitet war. Ein imposanter Saal wartete auf uns, in dem 150 Tische für je 8 Personen silvesterlich geschmückt waren. Nach der Begrüßungsansprache durch den Geschäftsführer des Estrel-Konzerns war das Büfett eröffnet.

Während des Essens spielte zunächst eine Band, dann bekommen wir nochmals eine Zusammenfassung der Show "stars in concert" geboten, bevor dann weitere Bands zum Tanz aufspielten.

The Blues Brothers
In einem Saal spielte Joe Cocker, aber ich blieb im Hauptsaal und war überrascht, wie gut meine Tanzkondition noch war, hatte ich doch einige Zeit einen großen Bogen um Tanzflächen gemacht. Nur mein Freund Bernhard ließ sich hängen und gab an, Kreislaufprobleme zu haben. Dabei verlangte niemand von ihm Kreise zu tanzen, Quadrate hätten es auch getan. So verlebten wir fröhlich tanzend und schwatzend die letzten Stunden des Jahres 2000. Nach vielen guten Wünschen zum Jahreswechsel lockte das Mitternachtbüffet mit Currywurst etc. und die Party konnte weitergehen. Leider konnte ich mit Rücksicht auf meine Fahrfähigkeit nicht bis zuletzt mitfeiern, sondern musste zeitig die Bremse ziehen.
Gruppenbild mit Dame Wunderkerzen

Am Neujahrstag erwartete uns dann ein reichhaltiges Buffet zum Kraterfrühstück, das nicht nur zum Katerfrühstück sondern auch zum Brunchen einlud. Erneut ärgerte ich mich, dass ich schon an die Rückfahrt denken musste. Aber es halb alles nichts, gegen 12.00 Uhr war auch für mich dieses Superwochenende in Berlin zu Ende und ich brach bei strahlendem Sonnenschein gen Heimat auf. Als 35 Kilometer vor Magdeburg im Radio gewarnt wurde, dass das Regengebiet, das in Norddeutschland spiegelblanke Fahrbahnen verursacht hatte, nun die Magdeburger Börde erreicht hatte und bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt Glättegefahr auch auf den Autobahnen bestünde. Nachdem ich auf blauen Himmel und +2°C im Außenthermometer geblickt hatte, überlegte ich zunächst, ob die Magdeburger Börde im Süden von Magdeburg liegen könnte, aber die Raststättenausfahrt "Börde" und wenig später ein Schild "Magdeburger Börde" überzeugten mich doch, vorsichtiger zu fahren. Plötzlich - keine 2 Minuten später - war die Außentemperatur dann auf -1°C gesunken und es regnete lang runter. Ich stellte mich innerlich schon auf stundenlanges Feststecken auf der Autobahn ein. Der Tank war noch recht voll, das Handy funktionierte noch und zu Essen bzw. Trinken hatte ich genug im Wagen. Glücklicherweise bildete sich aber weder Eisregen noch Glatteis, so dass ich meine Fahrt ungehindert fortsetzen konnte. Nachdem ich bei Braunschweig dann auch noch einen Auffahrunfall zwei Autos vor mir unbeschadet überstand, weil der vor mir Fahrende nach rechts auswich und ich gerade noch zwischen ihn und der Mittelleitplanke Platz hatte, konnte ich unbeschadet nach nur vier Stunden Fahrt in meine heimatliche Garage fahren.

Auf zu neuen Taten und Reisen!

Alle Angaben ohne Gewehr!
Rechtschreibpfähler © Frank Winkelmann, Bünde 2001