Behinderte weltweit

Surfing auf Internetwellen 


Neue Kommunikationsmöglichkeiten mit dem PC


In einer Zeit, in der die Welt immer mehr durch Computer beeinflußt wird, gewinnt der PC (wie der Personalcomputer abgekürzt wird) auch immer größere Bedeutung für Behinderte. Nachfolgend soll dargestellt werden, wie auch Schwerstbehinderte mit großen Kommunikationsproblemen von der neuen Technik profitieren können. Spastische Behinderungen z.B. verursachen oft Schwierigkeiten durch Probleme beim Hören und/oder Sprechen, usw. Dieses führt oft dazu, daß der Betroffene in seinen Entfaltungsmöglichkeiten sehr eingeschränkt ist, weil er sich nicht (oder nicht schnell genug) verständigen kann. Hier bietet der Umgang mit dem PC neue und noch vielfach weit unterschätzte Möglichkeiten.

Ich möchte dieses an meinem eigenen Beispiel darstellen. Ich leide selbst unter cerebralen Bewegungsstörungen verbunden mit Hör- und Sprachstörungen.

Seit 1991 beschäftige ich mich nun mit PCs. Ich konnte im Laufe der Zeit immer wieder feststellen, welche Möglichkeiten der Computer für mich bietet, um meine behinderungsbedingten Einschränkungen auszugleichen. So können Schreibarbeiten mit Textverarbeitungsprogrammen wesentlich problemloser durchgeführt werden, ich kann grafische Ideen selbst umsetzen, für die ich früher fremde Hilfe zum Benutzen von Bleistift, Schere und Klebstoff benötigt hätte, außerdem kann ich mit meinem PC Telefaxe senden und empfangen und mich per elektronischer Post innerhalb kürzester Zeit mit Gleichgesinnten in ganz Deutschland - ja (wenn ich wollte) in Englisch auf der ganzen Welt - kostengünstig unterhalten.

Also auch die weltweite Kommunikation ist durch den PC möglich geworden. Jeder von uns hat schon einmal in der Presse von der weltweiten Datenautobahn oder vom Internet gehört. Viele schrecken aber sofort zurück, weil sie englischsprachige Probleme oder hohe Telefonrechnungen befürchten. Dieses Vorurteil ist jedoch vielfach unbegründet. So gibt es zum einen den immer größer werdenden deutschsprachigen Teil des Internets und zum anderen bieten gerade die deutschsprachigen Computernetze die Möglichkeit der Nutzung offline, d.h. der Benutzer holt sich in einem kurzen Telefongespräch (meistens innerhalb einer Gebühreneinheit zum Ortstarif) die für ihn interessanten Informationen auf seinen PC und kann dann diese Informationen in aller Ruhe (ohne laufende Telefonverbindung) lesen und bei Bedarf beantworten oder eigene Diskussionsbeiträge schreiben. Die eigenen Beiträge werden im PC gesammelt und dann beim nächsten Telefonanruf automatisch (meistens über Nacht) ins Netz gespeist. Interessant ist hierbei für den Benutzer dieser Möglichkeiten, daß er das Tempo dieses Datenaustausches völlig selbst bestimmen kann, indem er selbst entscheidet, wie groß die Zeitspanne zwischen den Telefonanrufen sein soll.

Nun zur Kostenfrage. Benötigt wird für diese Kommunikationsart:
 

Telefon Telefon Computer PC Modem Modem Diskette mit Software Software

 
Der normale Telefonanschluß ist heute bereits in fast jedem Haushalt vorhanden. Es wird kein weiterer Anschluß o.ä. benötigt! Die zusätzliche Belastung des Anschlusses hält sich in Grenzen, da (nach einer gewissen Einführungszeit) die Anrufe vollautomatisch in der Nacht durchgeführt werden. Wie hoch die monatliche Belastung im Einzelfall ist, hängt einmal von der Häufigkeit der Anrufe ab (die selbst beeinflußt werden kann) und von der örtlichen Nähe des nächsten Einwählknotens ab. Dieser ist jedoch nicht mit dem Einwählknoten für die großen kommerziellen Netzwerke zu verwechseln, die sich nur in den Großstädten befinden, sondern in der Regel befinden sich in jeder Kleinstadt bereits Mailboxen, die von Privatleuten ohne öffentliche Werbung betrieben werden und nur in den Netzwerken selbst bekannt sind.

Auch PCs sind teilweise bereits vorhanden. Es muß sich nicht um die allerneusten Hightech-Geräte handeln und zum Teil gibt es die Möglichkeit etwas ältere Geräte kostengünstig zu erstehen. Wenn es dann doch ein neues Gerät sein soll, lassen sich durchaus Geräte für 1.500 DM finden, die für diesen Zweck völlig ausreichend sind, aber vielleicht findet sich auch im Bekanntenkreis ein altes sogenanntes 286er Modell, das zur DFÜ (= Datenfernübertragung) völlig ausreicht.

Ein Modem ist in der Regel noch nicht vorhanden. Seine Anschaffung bewegt sich ebenfalls in einer großen Preisspanne. Aber auch hier sind Modelle für ca. 150 DM bereits völlig ausreichend. Zum Teil gibt es sogar preisgünstigere Angebote.

Der geringste Kostenfaktor ist die benötigte Software. Eine sehr verbreitete Ausführung (CrossPoint) gibt es als Public-Domain-Software zunächst kostenlos und nach dreißig Tagen ist z.B. für die DOS-Software eine einmalige Registrierungsgebühr von 50 DM fällig.

Die Einbindung in die Datenfernübertragung geschieht über sogenannte Mailboxen. D.h. der PC ruft selbständig einen anderen PC (= Mailbox) an und überspielt die gesammelten Beiträge seines Benutzers, um danach die neuen Informationen, die seit dem letzten Anruf in der Mailbox angekommen sind, abzufordern. Ob zur Mailbox-Benutzung Gebühren fällig werden, ist ebenfalls örtlich unterschiedlich. Einige Mailboxbetreiber fordern sogenannte Pointgebühren von ca. 5 bis 20 DM monatlich, es gibt aber auch Mailboxbetreiber, die ihre Mailboxen Behinderten kostenlos zur Anbindung zur Verfügung stellen. Alles in anderem ist die DFÜ sicherlich nicht kostenfrei, aber auch nicht so teuer wie oft vermutet!

Nach der Kostenfrage nun noch kurz zu den Themengebieten in den Computernetzen. Das Usenet (ein Teil des Internets) beinhaltet über 5000 verschiedene sogenannte Newsgroups (= Interessensgebiete). So gibt es öffentliche Interessensgebiete mit Schwerpunkten in der Politik, Kultur, Umweltschutz, Technik, Arbeitsplatz, Friedensbewegung, Freizeit und vieles andere.

Behindertenspezifisch sind z.Zt. die Interessensgebiete Cl/Behindert/Allgemein, Cl/Behindert/Aktionen, Cl/Behindert/Diskussion, Cl/Behindert/Hörgeschädigte, Handicap, Abled.Ger, Blindnet, Hörnet u.a.. In Cl/Behindert/Aktionen werden die Leser über Ereignisse informiert, die Behinderte ansprechen. Die Interessengruppe Cl/Behindert/Allgemein behandelt unterschiedliche, behindertenspezifische Themen. Hier findet man Informationen über Selbsthilfegruppen, aktuelle Berichte aus der Presse und allgemeine Hinweise zu behindertenspezifische Themen wie etwa Pflege-, Krankenversicherung, Hilfsmittel etc. Im Interessensgebiet Cl/Behindert/Diskussion können dann eigene Fragen und Probleme erörtert werden. Alle bislang vorgestellten Gebiete sind deutschsprachig und erfordern keine Eigenbeteiligung; d.h. der Anfänger kann sich die Beiträge problemlos ansehen, oder selbst Verpflichtungen - etwa zur Beantwortung - einzugehen. Er kann sich aber auch selbst aktiv an den Diskussionen beteiligen oder selbst Themen ins Gespräch bringen. Neben diesen deutschsprachigen Diskussionsforen gibt es auch noch zahlreiche internationale (auch behinderungsspezifische) Foren, die ohne Auslandsgespräch ebenfalls auf den eigenen Rechner geholt werden können. Hierzu sind jedoch in der Regel englische Sprachkenntnisse erforderlich.

Soweit die Vorstellung der öffentlichen Kommunikationsmöglichkeiten, daneben kann jeder Benutzer auch noch private - also nichtöffentliche - Mitteilungen mit anderen Benutzern austauschen, über das ehemalige BTX (heute T-Online genannt) Homebanking oder Homeshopping betreiben etc. - nur für die Nutzung der WWW-Seiten und andere weitergehende Möglichkeiten des Internets werden höhere Anforderungen an den Nutzer und seine technische Ausstattung gestellt. Ich hoffe, durch diesen Beitrag nicht nur das Interesse bei dem betuchteren LeserInnen geweckt zu haben, sondern auch die kostengünstigere Seite genügend beleuchtet zu haben. Auch in Behinderteneinrichtungen sollte bei gutem Willen aller mit Hilfe von EDV-Arbeitsgruppen und mit dem vorhandenen Material seitens der Verwaltungseinrichtungen der Zugang zum Internet eröffnet werden können.

Falls weitere Fragen über die DFÜ oder auch über praktische Vorführungsmöglichkeiten bestehen, sind Anfragen per Post, per Telefax oder auch per eMail (also übers Internet) bei Autor willkommen. Auf fernmündliche Anfragen bitte ich mit Rücksicht auf meine Hör- und Sprachbehinderung zu verzichten.

Frank Winkelmann
Sunderkampstraße 1,
D-32257 Bünde
Telefax: 05223/522196
Webpage: http://www.winkelmann-online.com/junior/index.htm
eMail: frank@winkelmann-online.com 


Das Presse-Echo "Behinderte & DFÜ 


Inzwischen habe ich begonnen, alte PCs zusammenzustellen und fertigzukonfigurieren, um diese dann für einen begrenzten Zeitraum an andere Behinderte auszuleihen, damit diese testen können, ob die DFÜ für sie interessant ist, ohne zunächst einen PC kaufen zu müssen.

Desweiteren führe ich Mailbox- und Internet-Seminare (1997 und 1999) für Behinderte durch.


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