Lanzarote vom 7. bis 21. November 1999

Reisebericht von meiner ersten Reise mit Grabowski-Tours

Lange habe ich gezögert, bis ich mich zu meinem ersten Flug in den Süden entschlossen habe. Aufgrund meiner Körperbehinderung konnte ich mich einfach nicht mit dem Gedanken anfreunden, Urlaub ohne mein Auto (oder Dreirad) zu machen. Mich zu Fuß nur 100 Meter um das Hotel herum bewegen zu können, erschien mir als Gefängnis und nicht als Urlaub. Selbst ein Kennenlern-Wochenende von Grabowski-Tours vor einigen Jahren über Ostern in Mannheim brachte zwar die Erkenntnis, dass diese Reiseveranstalter dufte Typen sind (Peter Grabowski ist selbst Rollstuhl-Fahrer), konnte mich aber nicht überzeugen, mich gegen Aufpreis - der mich sicher nicht arm gemacht hätte - einem Schiebedienst anzuvertrauen.
Erst nachdem ich meinen für Ausflüge schon vorhandenen Rollstuhl (im normalen Alltag brauche ich ja keinen) mit einem elektrischen Antrieb (efix) ausgestattet hatte, kam für mich ein solcher Urlaub in Frage. Da ich diesen Frühjahr meinen Urlaub zugunsten einer Kur absagen mußte und im Sommer aufgrund des Austausch aller übrigen Mitarbeiter in meinem Bereich schlecht Urlaub machen konnte, mußte ich mir für November etwas einfallen lassen. Die Nordsee kam selbst für mich in dieser Zeit nicht mehr in Frage, also mal in den Katalog von Grabowski-Tours geschaut, was die für diesen Zeitraum anbieten. Lanzarote paßte mir zeitlich am besten, also war die Entscheidung für meinen ersten Flug in den Süden gefallen.
Die Preise bei Grabowski können und wollen zwar nicht mit LastMinute- oder sonstigen Schnäppchen-Angeboten konkurrieren, aber dafür weiß ich mich mit meinen behinderungsbedingten Einschränkungen in guten Händen.
Am 7. November 1999 ging es dann los. Dank Anja und Olaf, die mich im Herbst 1997 mit zur Bootstour auf dem Shannon im Irland genommen hatten, war es nicht mein erster Flug. Trotzdem galt es neue Erfahrungen zu machen. Wie war der efix im Flieger zu transportieren? Rollis sind zusammengeklappt als Sperrgut aufzugeben, aber wohin mit den schweren Akkus? Peter Grabowski empfahl mir, die Akkus und das Bedienungselement zu demontieren und als Handgepäck mitzunehmen. Da ich aber ein größeres und schwereres Akku habe, war dieses ein Ding der Unmöglichkeit für mich. Also habe ich mir eine stabile Tasche besorgt, dort alles hineingepackt, ein blaues Behindertensymbol aufgeklebt, ganz groß "Elektrischer Antrieb für Rollstuhl" darauf geschrieben. Sicherheitshalber das auch in Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Italienisch. Zwar kann ich außer Englisch keine dieser Sprachen, aber wozu gibt es Übersetzungsmaschinen im Internet?
Hapag Lloyd hat diese 38 kg schwere Tasche auch klaglos und kostenfrei angenommen. Nur beim Sicherheitscheck wurde ich herausgewunken und mußte die Tasche verständlicherweise zur Sichtkontrolle des Bundesgrenzschutzes öffnen.
Am Flughafen Hannover lernte ich dann meine zwei anderen Mitreisenden und einen der Grabowski-Helfer kennen. Das Betreten des Flugzeuges verlief problemlos - die Rollstuhlfahrerin wurde von Bediensteten der Fluggesellschaft mit einem speziellen Tragerollstuhl auf ihren Platz gebracht und der Flug konnte - nachdem auch alle übrigen Passagiere eingestiegen waren - beginnen. Der Flug verlief ohne besondere Zwischenfälle, somit sitze ich nun in kurzer Hose an meinem Lieblingsspielzeug, dem Communicator, und schreibe einen Reisebericht.

Wir sind mit 18 Reisenden und 1 Helferin und 2 Helfern im Hotel "Timanfaya Palace" in Playa Blanca untergebracht. Unterkunft und Verpflegung sind spitzenmäßig - wesentlich besser als der Webauftritt des Hotels.

Am ersten Tag nach dem Anreisetag empfängt uns unser Reiseleiter Wolfgang Grabowski (der nichtbehinderte Bruder von Peter) um 11:00 Uhr zum zwanglosen Cocktail- oder besser formuliert "Sangria-"Empfang und stellt uns sein weiteres Programmangebot vor. Alle zwei Tage bietet er ein zusätzliches Ausflugsprogramm über die ganze Insel an. Von einfachen Ausflugsfahrten bis zu Highlights, wie Kamelreiten, U-Bootfahrt, Jeep-Safari, Katamaran-Fahrt und einen Ausflug nach Fuerteventura ist für jeden Geschmack etwas dabei. Montag und Dienstag ist allerdings zur Erholung noch ausflugsfrei, schließlich wollen die Pools bei über 30°C auch genutzt werden.
Mittwoch dann der erste Ausflug in den Norden von Lanzarote. Über Yaiza, die Hauptstadt Arrecife und den weltbekannter Windsurfertreffpunkt Costa Teguise geht es in den 'Jardin de Cactus' mit einem 2 m hohen Kaktus, der angeblich täglich 5 Liter Wasser benötigt (Scherz unseres niederländischen Fremdenführers). Hauptzweck des Kaktusanbaus ist allerdings die Zucht der Kaktusschildlaus, die getrocknet und zermahlen einen hochwertigen Bekleidungsfarbstoff, das Karminrot abgeben.

Hier im Kaktusgarten habe ich nach dem Genuß einer kleinen Kostprobe aus Weißwein und Schafkäse meine erste Konfrontation mit der spanischen Sprache. Würde ich das richtige Örtchen für Männlein finden? Aber die Spanier haben vorgesorgt - nicht nur, daß ich das Wörtchen 'Machos' zweifelsfrei zuordnen kann, sondern zur Verdeutlichung hat der spanische Künstler auch noch Männlein und Weiblein in Lebensgröße plastisch dargestellt - ein Erlebnis, das unserem Oliver, der blind ist, nicht vorenthalten werden darf.

Oliver fühlt

Schließlich kommen wir hoch in den Norden, nach Mirador del Río. Hier hat der berühmteste Künstler Lanzarotes, Cesar Manrique (der auch den Kaktusgarten geschaffen hat), ein Restaurant in das Lavagestein hauen lassen und dadurch einen einzigartigen Aussichtspunkt auf die autofreie Insel Graciosa geschaffen. Hier leben 350 Personen, alle mit dem Nachnamen Toledo.
Auf der Rückfahrt sammeln wir noch auf dem höchsten Punkt Lanzarotes Lavagestein ein und werfen auch noch einen Blick auf die Salinas, wo das Salz für die Fischindustrie gewonnen wird. Schon wieder ist ein schöner Tag zu Ende. Donnerstag dient der Erholung bevor Freitag neue Erlebnisse (u.a. Kamelreiten) warten.
Nachdem der gestrige freie Tag mir die ersten beiden Bäder im Meer und einen Sonnenbrand auf dem Rücken beschert hat, war heute wieder ein Ausflug angesagt.

Ein Kamel reitet ein Kamel

Es ging zum Timanfaya Nationalpark. Zunächst war Kamelreiten durch den Montaña de Fuego angesagt. Okay, muß man mitgemacht haben, darf meinetwegen aber ein einmaliges Erlebnis bleiben.

Es folgte ein Besuch im "El Diablo", dem wahrscheinlich einzigem Restaurant der Welt, welches das Essen unmittelbar mit Erdwärme zubereitet. Zunächst konnten wir beobachten, wie in ein "Erdloch" geworfenes Reisig plötzlich brannte, dann wurden 5 Liter Wasser in ein Loch geschüttet, die sich drei Sekunden später mit einer riesigen Wasserdampf-Fontäne wieder entluden. Dieses war so beeindruckend und laut, dass unser Nesthäkchen, die dreijährige Sarah, so heftig erschrak, das selbst ihre Mama sie nur schwer wieder beruhigen konnte. Aber wie gesagt, die Hitze - die dort aus der Erde entweicht -, wird auch zu nützlicheren Dingen verwendet. Leider waren die schönen Fleischstückchen auf dem Rost nicht für uns bestimmt, wir bekamen stattdessen "nur" leckeren Apfelkuchen.

Lava-Höhle

Lava-Landschaft

Nach dieser kleinen Stärkung fuhr der Bus mit uns in den Timanfaya-Naturschutzpark, der zum Schutz dieser einmaligen, sehr bizarren Lavalandschaft eingerichtet wurde und nur noch von Bussen auf einer Einbahnstraße durchfahren werden darf. Zum Abschluß wurden diese starken Eindrücke im Besucherzentrum in einer Multimediashow nochmals aufbereitet.
Auf der Rückfahrt fuhren wir noch durch Casas de el Golfo und an der Lagune Verde vorbei - eine smaragdgrüne Lagune, die aber leider durch Münzeinwürfe (und entsorgte Cola-Dosen) von Touristen derart verunreinigt wurde, dass ihr Zugang erst einmal reguliert wurde.
Abends wurde dann noch kurzfristig ein kleines Beach-Meeting unter dem Motto "Sekt am Strand" improvisiert. Da jeder von uns Grabo-Reisenden bei der Ankunft eine Flasche Sekt auf seinem Zimmer vorgefunden hatte, war es kein Problem, genügend Flaschen zusammenzubekommen - die an der Hotelbar zunächst gegen gekühlte Flaschen umgetauscht wurden - und dann ging es ab an den Strand. Egal ob aus den mitgebrachten Sektschalen oder aus den Zahnputzgläsern, der Sekt war für alle 14 Anwesenden der gleiche!
Am nächsten Tag war ich froh, einen Ruhetag zu haben, der Kamelritt war doch spürbar! Außerdem steht mir ja noch der ultimative Grabo-Härtetest bevor. Um 21 Uhr ist Sammeln zum Abtauchen ins Nachtleben von Lanzarote, dessen Abschluß in der Disco auf dem Dach sein soll. Außerdem wurde mir unbedingt geraten, an der privaten Jeep-Fahrt teilzunehmen, die am nächsten Morgen um 9 Uhr startet. Da bin ich doch froh, nicht heute nachmittag zum ersten U-Boottermin eingeteilt zu sein. Überhaupt überlegte ich ernsthaft, die U-Boot-Fahrt gänzlich sausen zu lassen, das Angebot ist einfach zu umfangreich, um alles mitzumachen. Schaun mer mol... - wie sich das Wetter entwickelt, gestern und heute ist der Himmel öfters bedeckt und es angenehm kühler; über 20°C werden es aber immer noch sein. Übrigens, der ultimative Grabo-Härtetest fiel dann doch aus, da sich offenbar nienand bereit fand, diesen Test mitzumachen.

Jeep-Safari

Die Jeep-Safari war heute für mich wieder als einmalig einzustufen. Auf vier Jeeps verteilt (einer allein für unsere beiden Fremdenführer und unsere Rollstühle) brausten wir über die ganze Insel. Da sich das Wetter nach einigen Regentropfen kolossal besserte (>25°C) wurden die Verdecks schon beim ersten Stop eingerollt und die Tour der Marlboros, Camels und Fortuna (spanische Zigarettenmarke) konnte beginnen. Trotzdem die Asphaltstrecke zunächst überwog, stellte sich bald ein Jeep-Safari-Feeling ein.

Zum Mittagessen gab es deshalb auch neben Hähnchenbein und leckeren lanzarotischen Kartoffeln (mit Schale zu essen) für die staubigen Lungen Rotwein und Wasser. Wasser brauchten alle Teilnehmer der Jeep-Safari anschließend allerdings noch in größeren Mengen - niemand ließ sich nach der Rückkehr vom direkten Weg unter die Dusche abhalten.
Zum Abendessen gab es dann - außer dem Lanzarote-Wein, den ich mir heute gönnte (er ist zwar teurer als die üblichen spanischen Weine 'Sangre de Toro von Torres' oder 'Campo Viejo - Rioja', aber das ist bei dem höheren Aufwand beim Anbau ja verständlich) - noch zwei Überraschungen: Zum einen bekam ich die Information, dass ich morgen um 8:55 Uhr zur U-Boot-Fahrt abgeholt werde, zum anderen trieb eine der Serviererinnen ihr Späßchen mit mir.
Hatte ich in den letzten Tagen schon immer wieder amüsiert beobachtet, dass diese Damen keine Kinder von Traurigkeit waren und auftretende Sprachbarrieren gekonnt überspielten (z.B. hatte eine der Serviererinnen ihren frisch geschorenen Kurzhaarschnitt mit der Glatze eines Gastes verglichen - als dieser dann seine frisch polierte Platte zu ihr herunterneigte, bekam er prompt einen Kuß hierauf), war ich heute nun selbst das Opfer.
Die pfiffigste der Bedienungen bat mich (auf spanisch und durch Zeichensprache) ihr von meinem Essen eine Gabel abzugeben. Da ich Angst hatte, der Schönen mit meiner Gabel die Wangen durchzuspießen, bot ich ihr an, selbst von meinem Teller zu nehmen. Dieses verstand die Gute allerdings nicht - ersatzweise bot sie mir ihre Wange an, eine Chance, die ich mir natürlich nicht entgehen ließ wofür sie sich natürlich revanchierte, was mir nicht nur den Neid meiner männlichen Mitreisenden einhandelte.
Am Montag morgen war dann für mich Abtauchen mit dem U-Boot angesagt.

Dieses Vergnügen gibt es nur auf Mallorca, Hawaii und hier auf Lanzarote in der Marina "Puerto Calero". Es ist wirklich ein erlebenswertes Highlight. Rollstuhlfahrer werden mit einem Flaschenzug auf einem Sitz, wie ihn Fassadenmaler haben, ins Boot gelassen - ich konnte gut und bequem die Leiter hinabklettern. Überhaupt war es im U-Boot nicht eng, dunkel und beängstigend, sondern hell und freundlich. Zu zweit hockte man sich bequem vor einem der 80 cm großen Bullaugen und bewunderte die bunte Fischwelt. Unter jedem Bullauge befand sich ein Monitor, auf dem das Geschehen über die Außenbordkamera verfolgt werden konnte. 35 m tief sank das U-Boot bis auf den Meeresgrund. Einfach faszinierend - die Fotos und die U-Boot-Fahrer-Bescheinigung werden mich lange daran erinnern.

U-Boot

Nach der U-Boot-Fahrt ging es in das "Hotel Princess", in dem unsere restlichen 6 Mitreisenden und ihr Betreuer abgestiegen sind, zum Paella-Essen. Dort gab es wieder eine rote Flüssigkeit ("Sangria") zu trinken, so dass ich über die Rückfahrt wenig zu berichten weiß.

Paella-Pfanne Mehr Sangria durfte es nicht sein

Mir ist nur noch in Erinnerung, dass ich die erste Fuhre zurück genommen habe und um 16:30 Uhr erleichtert auf mein Bett gesunken bin. Beim Abendbrot wurde ich dann schon als Verlust gebucht. Aber die kannten mich eben noch nicht! Als ich um 19:30 Uhr aus dem Koma erwachte, war mein erster Gedanke: 'Glück gehabt, Abendessen gibt es bis 22.00 Uhr!'. Obwohl ich garantiert nicht lallte, merkte Muttern am Telefon aber sofort, dass ihr Junior nicht ganz okay klang. Nach dem Abendessen glaubten einige Mitreisenden an eine wundersame Erscheinung, als sie mich sahen, aber alle Versuche, mich mit in die Disco zu locken, blieben erfolglos.
Nun habe ich zwei Ruhetage, bevor zum Finale noch eine Katamaren-Fahrt und der Ausflug nach Fuerteventura zwei begeisternde Wochen abschließen.
Dienstag abend hatte ich dann Gelegenheit, die Qualität meines Englisch zu überprüfen, als ich mit Steve und Liz aus Cornwall ins Gespräch kam. Steve ist ebenfalls Rollstuhlfahrer und hat sich bei einigen Ausflügen mit seiner Frau uns angeschlossen, nur so konnte er von Lanzarote etwas mehr zu sehen bekommen als die unmittelbare Umgebung unseres Hotels. Da eine Verständigung auf Englisch für mich natürlich äußerst schwierig ist, mußte der Communicator hier mithelfen. Er wurde einfach für eine Art Chat hin und her gereicht:

F: I can't good speaking and hearing and I can't good English, but I hope, that you can understand me, when I write this.
I wanted to drive with my car to Bristol in the next year, because my cousin is living there. If we change our adress in the next days, we can meeting in the next year?
PS: My name is Frank
S: My name is Steve and my wife is called Liz. We live in Cornwall.
When you are in England, please telephone us and if possible we can arrange to meet.
Our telephone number is 11 222 333333.
F: Okay, than must my cousin telephone to you, she can good speak English.
S: You speak better english than I speak german
F: This is so, because I need English to work with computers, you need German also for your holidays in Germany (or Lanzarote).
One idea: Is your mobil telephone (I see it of the paper from your wife to W.Grabowski) with 'Short Message Service'? (for a direct writing contact of me to you)
S: Have you email?
F: Yes!!!
S: My e-mail address is : xxx@yyy.com

Soweit mein englischer Chat.

Katamaran Am Donnerstag ging es dann auf den Katamaran. Einer der größeren Sorte, auf den maximal 106 Personen passen. Seit Oktober dieses Jahres gibt es sogar eine Rampe für Rollstühle. Diese Katamaran-Fahrt war natürlich für mich alten Seebären super. Leider hißte die Crew nur das Vorsegel und ließ den Motor immer mittuckern, so dass das echte Segel- oder gar Katamaran-Feeling ausblieb. Auch für den Badestop hätte ich mir eine schönere Bucht vorstellen können. Bewundernswert aber mal wieder, dass das Grabo-Helferteam alles dran setzte, auch einigen von uns dieses Badeerlebnis zu ermöglichen. Selbst mich wollte Tafi unbedingt ins Wasser schmeißen - wahrscheinlich ist er auf mein Rückflugticket für eine Lanzarote-Schönheit scharf <grins>.
Da ich mir als Haifutter zu schade war, sind wir alle wohlbehalten zurückgekehrt.

Morgen heißt es früher aufstehen, wir bekommen ab 7:00 Uhr Frühstück, ab 8:15 Uhr starten wir 6 Neugierigen mit 2 Helfern in unseren beiden Kleinbussen (Grabo mit seinem Piaggio Porter und wir in einem Hyundai H1-Minibus) auf der Fähre 'Armas Volcan deTindaya' nach Fuerteventura.

Überfahrt nach Fuerteventura

Nach vierzigminütiger Überfahrt kommen wir in Corralejo an, weiter geht es nach La Oliva, wo ein früherer Bürgermeister ein öffentliches Schwimmbad baute, nur um sich in dieser wasserarmen (vom Meeressalzwasser abgesehen) Gegend vor den umliegenden Gemeinden zu profilieren. Die herrschaftlichen Gebäude des Casa de los Coroneles (ehemaligen militärischen Obersten) und des einst prunkvollen, verlassenen Anwesens der Manrique y Laras dokumentieren eine jahrhunderte alte Tradition der Macht.

Auf der Weiterfahrt verfestigt sich bei uns der Eindruck, dass Fuerteventura heller, durch Erolsion abgerundeter aber felsiger - statt Lava - ist. So wird Lanzarote vor dem letzten Vulkanausbruch auch ausgesehen haben.

Tafi und Wolfgang in Betancuria

Mittag im Santa Maria In der alten Inselhauptstadt Betancuria, die in einem Gebirgsbachtal liegt, haben wir die 1691 wieder aufgebaute Kathedrale Santa Maria besichtigt und das gleichnamige Restaurant aufgesucht, um Papas Arugadas (kanarische Kartoffeln), einheimischen Käse (Queso), einheimischen Schinken (Jamon) und spanisches Omlette (Tortilla) dazu zwei verschiedene Soßen sowie Wasser und Rosewein zu uns zu nehmen.

In den beiden Geschäften gab es die Fertigung von Strohhüten nach alter Tradition, traditionelle Kunststickerei am Holzrahmen, Keramiktöpferei sowie die Handhabung eines antiken Webstuhls zu sehen. Weiter ging unsere Rundfahrt am Buen Paso (Busen von Brigitte Bardot) über Pájara, Tuineje nach La Antugua.

Buen Paso

Am Pueblo Majorero (restaurierte Windmühle von Atigua mit Heimatmuseum und Kunsthandwerk) legen wir nur einen kurzen Fotostop ein. Weiter geht es nach Puerto del Rosario und dann an der Küstenstraße nach Playa de Corralejo. Solche gewaltigen Sand-/Felsdünen hatte ich noch nicht gesehen. Der Sand am Strand ist sehr pulvrig. Selbst die Wissenschaftler rätseln noch über seine Herkunft - eine Theorie ist, dass er aus der Sahara stammt. Um 17:00 Uhr fahren wir dann mit der 'Lineas Fred. Olson' wieder zurück nach Lanzarote.

Kakaroka-Talent Oliver

Auch die Helfer können Kakaroke

Abend gehts dann in die Karaoke-Bar, wo erst unser blinder Oliver mit "New York, New York" und dann Helfer Matthias mit "Da sprach der alte Häuptling" ihre ersten Auftritte hatten. Es folgten nach einigen anderen Sängern unsere Helfer Tafi, Matthias und Max mit "In the Navy". Oliver mit "Straingers in the Night" und "Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett", the new group 'Grabowski Helpers' with *Skandal im Sperrbezirk - Skandal um Grabo", Oliver mit "Besame Mucho", Wolfgang Grabowski mit "Unchain my heart", Oliver mit "Mit 17 hat man noch Träume" und "My Way"
Dazwischen das Erscheinen einer unserer Serviererinnen, die sich ebenfalls in die Bar verlief. Meine gewohnt stürmische Begrüßung holte die Gute glatt von ihren Stöckeln, danach ihr Auftritt mit "Mis manos en tu cintura" und zum Schluß unsere Helfer nochmals mit "Who the F*K is Alice" und Oliver mit "La Bamba". Alle Zuhörer, egal ob Deutsche, Engländer oder Spanier sind fasziniert, wie unser Oliver deutsche, englische aber auch spanische Texte sauber und passend zur Musik singt. Alle sehenden Sänger konnten am mitlaufenden Textband immer den Text mitlesen bzw. sich orientieren, an welcher Stelle sich die Musik befand. Trotzdem er diese optische Hilfen nicht hatte, sang Oliver die Lieder fast fehlerfrei.

Disco mit Stimmung

Als die Kakaroke-Bar schließt, ziehen alle in die drüberliegende Discothek um. Die Spanier entwickeln unglaubliches Engagement, um uns Rollstuhlfahrer die Treppen hochzutragen. Selbst mein mit zwei Akkus beladener Rolli wird klaglos die Stufen hinauf- und um 3:45 Uhr wieder hinunter getragen, als auch die Disco ihre Pforten schließt. Also zieht die Karawanne unter Führung unserer Serviererin weiter.

Privatfete

Diese spanische Nacht endet mit einer privaten Fete der verbliebenen 12 wackeren Gestalten, die ich vorzeitig verlasse, um erleichtert - weil unbeschadet - noch vor dem Morgengrauen in mein Bett zu sinken.

Am Samstag ist dann noch mal Erholung und nebenbei Kofferpacken angesagt. Natürlich werde ich beim Abendessen "standesgemäß" mit Küßchen verabschiedet, bevor Grabowski um 20:30 Uhr zum Abschiedssekt lädt. Küßchen zum Abschied

Zünftig mit Nikolausmütze feiern wir den Abschied und verschwinden recht früh in unseren Zimmern, denn am Sonntag gibt es schon ab 6:30 Uhr Frühstück, die Frankfurt-, Düsseldorf- und Hannover-Flieger starten ab 7:30 Uhr mit dem großen Bus zum Flughafen. Leipzig fährt um 10:30 Uhr mit dem Taxi, Stuttgart um 15:00 Uhr mit dem Spezialbus und München mit zwei Taxis und Grabows Minibus um 17:00 Uhr.

Damit gehen zwei schöne Wochen zu Ende.

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Playa Blanca, 99/11/17

Nach 10 von 14 Tagen Lanzarote beginne ich schon mal ein Fazit meiner ersten Reise mit Grabowski-Tours zu ziehen.

Es war ein wunderschöner Urlaub für mich und zugleich eine äußerst positive Erfahrung. Solch ein Spezialanbieter, wie Grabowski-Tours, bietet Körperbehinderten mit dem nötigen Kleingeld die Möglichkeit, Urlaub in Regionen zu machen, die aufgrund der Handicaps mit den üblichen Reisebüros nicht durchführbar wären. Gekostet hat mich diese Reise anno 1999 für Flug, 14 Übernachtungen im Zimmer mit Bad und WC mit Halbpension im 5-Sterne-Hotel 3.650 DM plus Einzelzimmerzuschlag 840 DM plus Versicherungspaket 100 DM.

Die Reise entspricht im Grunde einer gewöhnlichen Reise über das Reisebüro. So bekamen wir z.B. ganz normale Tickets von TUI. Grabowski-Tours sorgte allerdings für den rollstuhlgerechten Transfer Flughafen/Hotel, für ein ständiges Helferteam und für rollsuhlgerechte Ausflüge.

Der Transfer vom Flughafen zum Hotel geschah in Lanzarote mit einem Kleinbus, der einen eingebauten Lift hatte.
Im Reisepreis inbegriffen sind kleinere Helferdienste, wie z.B. Hilfe beim Büffet, Ein- und Ausstieghilfe in den Bus, Umsetzen auf die Liege, 'Schmeißen' in den Pool etc. Bei größerer Hilfe sollte ein Zuschlag für Schiebedienst in Höhe von dieses Mal 600 DM entrichtet werden.

Das Helferteam besteht aus ehrenamtlichen Laien, die für ihre Hilfe die freie Mitfahrt sowie ein kleineres Taschengeld bekommen. Diese Helfer sind keine professionellen Pflegekräfte und werden auch nicht hierfür mitgenommen und entlohnt - wer solche Pflege benötigt, muß seine Pflegeperson selbst mitbringen.

Zusätzlich bot Grabowski-Tours jeden zweiten Tag einen Ausflug an, im einzelnen waren das:

Alle Ausflüge waren rollstuhlgerecht, d.h. die Zahl der Ausstiege war auf das nötigste reduziert, die Rollstuhlfahrer wurden auf einem speziellen Stuhl (wie bei den Fluggesellschaften) in und aus den Bus gebracht (falls absolut notwendig auch im eigenen Rollstuhl), notfalls wurde am Bus auch schon mal ein störendes Geländer abgeschraubt.
Für mich haben sich durch diese Reise völlig neue Perspektiven ergeben. Mein lange gehegter Traum von einer Reise in Übersee muß nun kein ewiger Traum mehr bleiben, die USA, Hawaii, Kuba sind nun plötzlich näher gerückt. Wenn nicht im nächsten Jahr, dann im übernächsten oder einem der folgenden Jahre - solange meine Gesundheit mitspielt. Irgendwann werde ich der Aufforderung nachkommen, die mich von Kindesbeinen an begleitet: "FRANKIE, GO TO HOLLYWOOD!"

Allerdings möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass ich mit unserem Helferteam Dagmar Kilian, Tafi Moralis, Mathias Dohn und Max Freundschig ein optimales Helferteam erlebt habe, das die Meßlatte für zukünftige Helfer sehr hoch angelegt hat.

Helfer mit Nikolausmützen

Nonplusultra auf dieses Helferteam war dann noch der Reiseleiter Wolfgang Grabowski, der in seiner unnachahmlichen Art das i-Tüpfelchen bildete.

Wolfgang Grabowski und Frank Winkelmann

Auf zu neuen Taten und Reisen!

Alle Angaben ohne Gewehr!
Rechtschreibpfähler © Frank Winkelmann, Bünde 1999