
Seminar des
Bundesverbandes für Körper- und Mehrfachbehinderte
e.V.
vom 20. bis 22. August 1999 in Paderborn
Referenten: Frank Winkelmann und @events
Ich bin Frank Winkelmann, 34 Jahre alt, davon die letzten 9 Jahre mit der Internet beschäftigt. Wer mehr über mich wissen will, kann dieses auf meiner Homepage unter der URL http://www.winkelmann-online.com/junior/ nachlesen.
a) Geschichte
Das Internet ist ursprünglich im militärischen Bereich entstanden. Zur Zeit des kalten Krieges war im amerikanischen Militär die Furcht groß, daß der Zentralrechner des Pentagons durch einen gezielten Bombenangriff zerstört werden könnte und dann die gesamte Streitmacht lahm gelegt wäre. Man begann daraufhin 1969, die Aufgaben des bisherigen Zentralrechners auf mehrere Rechner an verschiedenen Orten zu dezentralisieren und diese Rechner so miteinander zu vernetzen, daß das gesamte Netz nie von einem Zentralrechner abhängig war. Diese Technik wurde zunächst von Militärs und den beteiligten Wissenschaftlern gemeinsam benutzt, die sich aber recht bald in ein militärisches und ein wissenschaftliches Netz teilten.
Im wissenschaftlichen Netz wurden nach und nach alle Universitäten miteinander vernetzt, so daß dann auch bald Studenten über dieses Netz kommunizierten und die Bibliotheken anderer Universitäten nutzten. Diese Studenten begannen dann recht bald, auch private Netzwerke aufzubauen, die heute noch existieren (Fido-, MAUS-Net, u.a.). Auch andere gesellschaftliche Gruppen begannen die Kommunikation per eMail zu entdecken und bauten sich ihre Kommunikationsnetze auf (z.B. in Deutschland die Friedensbewegung das Z-Netz).Mit der Zeit bestand das Bedürfnis, die verschiedenen Netze miteinander zu verknüpfen, weil z.B. jemand aus dem Fido-Net einem anderen im Z-Netz eine Mail schreiben wollte. Die Netze wurden über sogenannte Gates miteinander verbunden.All dieses war zwar noch recht trocken, weil über diese Netze nur reine Textmitteilungen ausgetauscht werden konnten, weitete sich aber bereits rasant aus, der Beginn waren 1969 vier Rechner, 1977 waren es auch nur 50 Rechner, aber dann brach der Damm. 1990 bildeten bereits 10 Mio. Rechner das Internet. Zur Jahrtausendwende rechnet man heute mit über 300 Millionen Internetnutzern.
1992 brach mit dem WWW (World Wide Web) ein wahrer Internetboom aus, denn nun konnten nicht nur reine Texte ausgetauscht werden, sondern jetzt war eine grafischen Benutzerführung möglich, die kein größeres Computerwissen mehr erfordert. Gleichzeitig etablierten sich sogenannte Onlinedienste, die Ihren Mitgliedern nicht nur den reinen Internetzugang (wie von Providern) anbieten, sondern zusätzlich noch ein eigenes Angebot (redaktionell betreute Inhalte, wie Nachrichten, Online-Banking, etc.) offerieren, das nur zahlenden Mitgliedern zugänglich ist.b) Aufbau
Der Aufbau des Internets läßt sich auch heute noch an dem Aufbau der Mailbox-Netze am leichtesten erklären (s. vorherige Grafik), sowohl die Hauptlast des heutigen Internets nicht mehr durch Mailboxnetze, sondern durch via Standleitung miteinander verbundene Rechner in Universitäten, Onlinediensten und bei anderen kommerziellen Betreibern getragen wird.
c) Zugang
Für einen Zugang zum Internet wird neben dem Computer ein Modem oder eine ISDN-Karte und eine Zugangsberechtigung benötigt.
Der Computer muß kein allerneuestes Muldimedia-Monstrum sein, auch mit einem 100-MHz-Pentium läßt sich hervorragend im Internet surfen, wie der heutige Vorführ-PC beweist.
Das Modem (= Modulator und Demodulator) ist ein Gerät, das die Signale des PCs in Signale umwandelt, die über das Telefonnetz weitergeleitet werden können, und die aus dem Telefonnetz empfangenden Signale wieder in PC-Signale zurückverwandelt. Die ISDN-Karte erfüllt den gleichen Zweck für ISDN-Anschlüsse. Auf die genaue Technik einzugehen, würde den Rahmen dieses Seminars sprengen, detailiertere Informationen lassen sich im Internet nachlesen. Entsprechende Geräte sind ab 100 DM erhältlich.Interessanter und schwieriger ist schon die Suche nach der richtigen Zugangsberechtigung zum Internet. Neben etlichen lokalen Providern, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann und den Universitäten für eingeschriebene Studenten gibt es im wesentlichen drei Möglichkeiten. Am bekanntesten sind die Onlinedienste, von denen sich zum jetzigen Zeitpunkt drei Anbieter durchgesetzt haben: AOL, CompuServe und T-Online.
AOL ist ein mehr entertainmentbetonter Onlinedienst, der sehr viel Zusatzinformationen über Stars, Sternchen usw. bietet. CompuServe spricht ein etwas höheres Niveau in seinem Zusatzangebot an, denn dessen Angebot zielt mehr auf Akademiker, Techniker, usw. Das etwas ausgewogenere Mittelfeld ist die Zielgruppe von T-Online, das frühere BTX-Angebot der Telekom, das z.Zt. noch sehr viele Nutzer von Homebanking, also dem Führen des Bankkontos vom heimischen PC, bevorzugen, weil diese Technik des Homebanking immer noch als das ausgereiftere und damit sicherere Verfahren erscheint. Bei diesen Onlinediensten kommen zu den monatlichen Grundgebühren noch unterschiedliche Internet-Nutzungsgebühren und die laufenden Telefonkosten im Citytarif.Neben diesen Onlinediensten werden derzeit überregionale Service-Provider immer bekannter, von denen hier nur exemplarisch germany.net vorgestellt wird. Dieser Anbieter ist deshalb so interessant, weil er keine monatlichen Grundgebühren, Anmeldegebühr und keine Verträge verlangt. Stattdessen bekommt der Websurfer in unregelmäßigen Abständen immer wieder Werbeseiten eingeblendet, die allerdings nach einem Buttonklick Platz machen für die nächste gewünschte Webseite. Seit Anfang dieses Monats ist dieser Anbieter auch bundesweit zum Citytarif erreichbar. Andere Service-Provider verlangen Gebühren in unterschiedlicher Höhe, bieten dafür Service unterschiedlicher Art. Seit der Öffnung des Telekommunikationsmarktes tauchen auch immer mehr sogenannte By-Call-Anbieter auf, die ebenfalls weder Grund- noch Anmeldegebühren oder Vertragsbindung fordern und ihre Nutzungsgebühren gleich einschließlich der Telefongebühren berechnen.
Ein genauer Vergleich dieser Zugangsmöglichkeiten wird auf verschiedenen Internetseiten ständig aktualisiert, so daß es sich lohnt, zunächst einmal über einen kostenlosen Zugang ins Web zu gehen und dann die verschiedenen Angebote zu vergleichen. Unterscheiden tun sich die Angebote in der Geschwindigkeit und Art der Netzanbindung, in der Tarifstruktur und im Service.
a) Browser
Neben den handelsüblichen Browsern von Microsoft und Newscape gibt es noch viele andere Browser in deutschen Versionen. Durchgesetzt hat sich neben den genannten Marktführern nur noch der Browser von Opera, ein Softwarehersteller der bemüht ist, sein Programm den besonderen Bedürfnissen Behinderter anzupassen.
b) Suchmaschinen
Neben den großen, teilweise auch deutschsprachigen, Suchmaschinen von Yahoo, Alta Vista, etc. gibt es auch Suchmaschinen für Spezialgebiete, z.B. eine behindertenspezifische Suchmaschine.
a) eMail
Die eMail ist ein elektronischer Brief, d.h. man schreibt einen elektronischen Brief, adressiert ihn und schickt ihn ab.
b) Newsgroups
Newsgroups sind Diskussionsgruppen im Internet. Ähnlich wie Pinnwände kann dort jedermann/-frau eine "News" veröffentlichen. Im Gegensatz zur Mail ist diese nicht nur für einen Empfänger lesbar, sondern für alle Leser der Newsgroup. Jeder Leser der Newsgroup kann dann für sich entscheiden, ob er dem Schreiber wiederum öffentlich für alle lesbar oder lieber persönlich, d.h. per eMail antworten will. Bei öffentlichen Antworten kann dann eine richtige Diskussion entstehen, wie in de.soc.handicap, maus.soziales.handicap, maus.soziales.handicap.talk
c) Chat
Im Gegensatz zur Kommunikation per eMail oder in einer Newsgroup, die zeitversetzt und offline erfolgen kann, ist der Chat eine direkte Kommunikation bei laufender Onlineverbindung zu anderen Teilnehmern, die ebenfalls zum gleichen Zeitpunkt online sind. Solche "Chat-Rooms", also Gesprächsräume, werden sowohl von den Onlinediensten als auch auf einigen Homepages angeboten. Als Beispiel für einen solchen Chat-Room sei auf das Angebot unter http://www.schwerhoerigen-netz.de/chat/ verwiesen.
d) ICQ
ICQ (Akronym von I seek you) ist eine Sonderform des Chats. Hier trifft man sich nicht in einem Chatraum, sondern ICQ ist ein Programm, mit dem man sehen kann ob auch Bekannte, egal wo sie auch den Zugang zum Internet haben, gerade im Internet online oder offline sind. Dann kann man/frau sich die Leute auszusuchen, mit denen man chatten will und sie zu einem direkten Chat einladen. Dazu kommt, das man anderen Usern sehr schnell und direkt Nachrichten, Adressen oder auch Dateien zukommen lassen kann ohne erst eine Mail verfassen zu müssen.
Grundsätzlich kann jeder Internet-User eine eigene Homepage ins Internet stellen. Die meisten Internetanbieter, egal ob Onlinedienst oder Provider, bieten ihren Kunden zwischen 2 und 50 MB Speicherplatz für eigene Homepages an. Zusätzlich gibt es noch kostenlose Homepage-Dienste, die sich durch die Einblendung von Werbebanner finanzieren. Die Homepage muß dann selbst erstellt werden und auf den Server geladen werden. Am einfachsten läßt sich eine Homepage mit einem entsprechenden Programm erstellen. Im Internet Explorer von Microsoft ist das Programm "FrontPage Express" enthalten, mit dem auch diese Seite erstellt worden ist. Es gibt aber noch zahlreiche andere Editoren, die aus dem Internet heruntergeladen werden können und die Erstellung erleichtern. Wer sich mit Programmierung schon etwas auskennt, kann aber den HTML-Code (HTML = Hypertext Markup Language) einer Homepage auch mit jedem beliebigen Textprogramm bearbeiten.
Eine fertiggestellte Seite, wie z.B. die im Seminar erstellte Testseite, wird dann entweder direkt mit dem HTML-Editer, dem Browser oder einem FTP-Programm auf den Server geladen und ist dann sofort direkt weltweit lesbar.
Im Internet werden zahlreiche nützliche Tips, Tricks und Hilfen kostenlos angeboten. Es lohnt sich daher immer, einmal einen Blick auf solche Webseiten, wie z.B. http://www.kostenlos.de, zu werfen.