Da ich von der Bootstour auf dem Shannon in Irland keinen eigenen Bericht habe, hier den damaligen Bericht von Peter Redecker, einem der Mitreisenden:


Empfänger : /MAUS/WESTFALEN
Absender : Peter Redecker
Betreff : Reisebericht Irlandtour
Datum : So 26.10.97, 17:34 (erhalten: 28.10.97)
Größe   10141 Bytes

Von : Peter Redecker (So, 26.10.97 17:34)

Hi,

es folgt ein kleiner Reisebericht unserer Irlandfahrt 1997. Mitgefahren sind

Anja und Olaf Born,
Anjas Cousine Marianne,
Frank Winkelmann,
Stefan Kupner,
Uwe Blenz,
Frank Spickermann
und ich.

Wir waren eine Woche mit zwei Motorbooten auf dem Shannon unterwegs.

Samstag, 27.09.97 Die Anreise

Von Mainz zum Flughafen Frankfurt sind's acht S-Bahn-Stationen, da lohnt es sich nicht, sich hinbringen bzw. abholen zu lassen. Die anderen sind auch mit der Bahn angereist. Wir treffen uns unterm roten Dreidecker bei Terminal 1. Durch den Rolli von Frank W. erfahren wir eine bevorzugte Behandlung an einem Schalter der Business-Klasse. Das erspart uns ein längeres Schlangestehen. Den Rollstuhl können wir mitnehmen, der wird erst kurz vorm Abflug ins Flugzeug geladen.
Hinter dem Security-Gate sucht Frank S. seine Bordkarte. Sie ist wohl auf dem Weg durch den Durchleuchter aus der Tasche gefallen. Bevor die Angestellten da eine größere Suchaktion einleiten können, haben wir die Karte aber schon wieder.

Danach sind wir erst mal alle in den Duty-Free-Shop, schließlich wollen wir ja in Irland Tee und keinen Kräuteraufguß trinken. Das spezielle Tee-Rezept gibt's auf Anfrage per PM. :-)
Hinter dem Duty-Free-Shop sucht diesmal Anja ihre Bordkarte. Als sie ihren Rucksack komplett ausgeleert hat, bemerkt Stevie, daß er die Karte ja in der Hand hält, weil sie sie ihm vorher zum Festhalten gegeben hat. :-)
Um 10.30 Uhr sitzen wir vorm Gate und warten, daß es 11.20 Uhr wird, weil dann das Boarding beginnt. Um 11.50 Uhr wird abgeflogen.

Der Flug an sich ist ereignislos, bevor wir über eine Wolkendecke fliegen, können wir immerhin noch erkennen, daß wir Köln überquert haben. In Irland ist das Wetter bedeckt, aber trocken. Wir müssen im Flugzeug auf den wohl einzigen Rollfeldbus warten, der uns zum Gebäude rüberfährt. Aber nach zehn Minuten kommt er. Der Transferbus nach Williamstown-Harbour steht auch schon bereit. Die Fahrt ist holprig, in 75 Minuten sind wir am Hafen.
Die Übernahme der Boote ist problemlos, das Handling auch. Leider haben sie unsere Lebensmittelbestellung vergessen, jedoch fährt noch einer los und besorgt uns ein paar Sachen. Prima Service.

Gegen 16.30 Uhr legen wir ab und fahren über Lough Derg nach Terryglass. Der See ist ruhig, es sind kaum Boote unterwegs. Wenn man allerdings sieht, wieviele Boote in den Häfen liegen (wir sind ja schon in der Nachsaison), möchte man in der Hauptsaison hier nicht fahren müssen.

Abends gehen wir noch in ein Pub und essen was, aber um 10.15 Uhr liegen wir im Bett.

Sonntag, 28.09.97

Um 11.00 Uhr öffnet die Drehbrücke in Portumna. Wir fahren hin und machen erstmal fest, um uns mit den Beibooten eine Runde in die Marina von Emerald Star, einem großen Bootsverleiher, zu fahren. Die Boote dort sind fast alle da und sehen nach der Saison doch etwas ramponiert aus. Aber jetzt ist ja den ganzen Winter Zeit, das zu reparieren. Unterwegs hat plötzlich der Außenborder des Beibootes keinen Sprit mehr. In den Tank passen wohl nur 1,51, wir haben aber einen Reservekanister mit 5 Litern Gemisch dabei. Auf dem Wasser Tanken in einem schwankenden Boot ist auch nicht ganz ohne ... :-)

In der Schleuse von Meelick weht es dem anderen Boot erstmal die Flußkarte ins Wasser.
In Banagher gehen wir einkaufen und bunkern Trinkwasser. Übernachten tun wir heute in Shannonbridge. Trotz der Nachsaison haben wir Glück, daß wir einen Liegeplatz bekommen. In dritter Reihe festmachen ist nicht so spaßig, weil man für jeden Landgang über die Nachbarboote laufen muß.

Frank S. steuert ziemlich professionell, es ist auch seine siebte (oder achte) Fahrt auf dem Shannon. Kochen tut er auch gut. :-) Im Radio läuft "the Kelly-Family from Germany."
Abends gehen wir in einen Schnellimbiß, den uns Frank S. empfohlen hat. Das benachbarte Pub [Village Tavern) hat heute Live-Musik, jedoch war das Countrymusik und wurde von uns nicht so begeistert aufgenommen. Aber lustige Rabattkärtchen gab's da:

Bless This Pub

Bless this pub, 0 Lord, we pray
Keep it open night and day.
Bless the Lager and the Stout
By the neck or as poured out.
Bless the people here within
Give them Tonic with their Gin.

Bless the Bar Helps - either sex
Keep them free from bouncing cheques.
Bless the half 'urv, cold or hot
Whether on the slate or not.
Bless the Vodka and the Beer
Lord, it's getting awful dear.

Slow me up on Rum and Coke
When you find I'm getting broke.
Bless me when the going's hard
Reinstate me when I'm barred.
Bless them all now come what may
And see them home at the dose of day.

Montag, 29.09.97

Wir fahren nach Clonmacnoise. Hier stehen die Ruinen einer alten Klosteranlage, gegründet irgendwann um 700 (oder 800) n.Chr. Es gibt eine interessante Diashow und eine Ausstellung.

Weiter geht's nach Athlone.
Der Fluß wird kurvenreicher.
In Athlone müssen wir auf die
Schleuse warten, es ist Mittags-
pause bis 14.00 Uhr.

Hinter der Schleuse geht's ins Lough Ree. Wir biegen in einen Seitenarm ab, um in einer kleinen Marina zu übernachten, jedoch ist die voll belegt. Also fahren wir zu einer privaten Marina zurück und fragen, ob wir liegen bleiben dürfen. Auf die englische Frage von Stevie folgt ein kurzes Schweigen und dann eine Antwort in deutsch. :-) Wir dürfen natürlich liegenbleiben. Die Betreiber des Bootsverleihs, der den Anleger gemietet hat, sind Deutsche. Die gesamte Anlage ist sehr neu und vorbildlich ausgestattet.

Das Abendessen genießen wir auf dem Steg. Heute gibt's Chili con Carne. Da wir die Bohnen vergessen haben, fahren wir mit dem Beiboot quer über den See, denn der nächste Laden ist in der anderen Marina. Unterwegs müssen wir zweimal tanken, das letzte Mal ca. 100m vor unserem Anleger. :-)

Dienstag, 30 09.97

7.00 Uhr aufstehen. Regen. Das Boot wird seefest gemacht, die Überfahrt über den See kann etwas rauher werden. Wir müssen heute zweimal schleusen. Schleusenwärter an einer Schleuse ohne hydraulisch betätigte Tore ist nicht so spaßig.
Beim Ablegen passiert Anja ein kleines Mißgeschick: Sie macht das Boot am falschen Ende zuerst los, was dazu führt, daß das Boot in die Strömung treibt und sie nicht mehr aufspringen kann. Zum Glück war unser Boot noch fest, so daß sie bei uns mitfahren konnte. :-)
Wir passieren eine Hubbrücke, die sich auf "Gewindestangen" in die Höhe schraubt. Interessante Lösung ...
Irgendwo unterwegs, ich glaube es war Lanesborough, waren Frank W., Uwe und ich mit dem Auftrag, Lauch mitzubringen, einkaufen geschickt worden. Was wir mitgebracht haben, sah zwar aus wie Lauch, aber war ca. im Maßstab 1:4. :-) Anja fand das nicht so lustig, hat aber spater irgendwo noch Lauch auftreiben können.

Roosky ist der Wendepunkt unserer Reise, morgen geht's zurück. Ein Teil der Gruppe ist nach dem Abendessen (Käse-Lauch-Suppe von Anja) noch ins Pub gegangen. Nach dem Fußballspiel, das im Fernsehen kam, war dann Lifemusik (ca. ab 22.30 Uhr). Als wir um 23.45 Uhr gegangen sind, spielte der Mann immer noch.

Mittwoch, l.10.97

Rückfahrt. Wir warten auf die Schleuse in Roosky und auf die Hubbrücke. In Lanesborough machen wir das Boot wieder seefest, wer weiß, wie Lough Ree heute so drauf ist.
Das Wetter klart zunehmend auf, abends sind nur noch ganz wenige Wolken am Himmel. Die Überfahrt über den See ist zwar etwas wellig, aber ansonsten unkritisch. Einige Bojen sind jedoch sehr schlecht zu erkennen, vor allem bei tief stehender Sonne. Zum Abendessen gibt's Steaks mit Kartoffeln.

Donnerstag, 2.10.97

Sonnenschein am Morgen. Naja, kurzzeitig jedenfalls. Danach ist der Himmel bedeckt, kein Wind, spiegelglatter See. In Athlone gehen wir noch mal einkaufen. Wir fahren bis Shannonbridge, dabei überholen wir die Iserlohner BVB-Fans. Natürlich waren wir wieder im Pub in Shannonbridge, das sogar im ADAC-Reise-Sonderheft Irland erwähnt wird. Die Musik heute klingt wie ein altes Grammophon, die Band hat wohl einen bandbegrenzenden Verstärker. :-)

Freitag, 3.10.97

Der letzte Tag auf dem Fluß. Wir müssen um 15.00 Uhr in Portumna an der Brücke sein, sonst wird die Überfahrt über Lough Derg doch etwas spät. In Banagher wird ein letztes Mal eingekauft, dann geht's weiter zur Schleuse nach Meelick. Hier steht die älteste noch in Betrieb befindliche Kirche Europas. Der Pfarrer begrüßt uns persönlich, weil er sowieso gerade die Bauarbeiten der Mauer vor der Kirche beaufsichtigt. Er läßt extra für uns die Tür aufschließen. Die Kirche ist recht schlicht. Von außen könnte man meinen, es sei eine Scheune, sie hat überhaupt nichts pompöses oder auffälliges.
In Portumna sind wir 15 Minuten zu früh und kreisen deshalb vor der Brücke, die genau um 15.00 Uhr öffnen soll. So ungefähr tut sie das dann auch. Gegen 17.15 Uhr sind wir wieder in Williamstown, unserem Start- und Zielpunkt. Tanken geht nicht, es ist kein Benzin mehr da. Da Frank auf unserem Boot kurz vorher noch ein ziemlich mächtiges Würstchen-Omlett (mit Käse überbacken) gezaubert hat, verschiebt sich das Abendessen deutlich nach hinten. In der Zwischenzeit beginnen wir damit, unsere Sachen zu packen und das Boot (speziell die Küche) zu reinigen. Überall geriebener Käse ... man sollte bei Seegang vielleicht doch keinen reiben. :-)

Samstag, 4.10.97

Um Punkt 10.00 Uhr fährt der Transferbus auf den Hof. Es ist eine Höllenfahrt. :-) Ca. anderthalb Stunden später sind wir in Shannon am Flughafen. Wir checken ein, bringen im Duty-Free noch das letzte Kleingeld durch um dann vorm Gate zu erfahren, daß die Copilotin leider krank geworden ist. Nach einer Stunde etwa wird informiert, daß ein Ersatzpilot mit einer Maschine aus Düsseldorf, die mal eben über Köln umgeleitet wurde, kommt und wir dadurch nur ca. 3,5 Stunden Verspätung haben.
Um 21.00 Uhr sind wir dann auch glücklich in Frankfurt angekommen. Nach einer etwas hektischen Verabschiedung erwische ich noch die S-Bahn um 21.15 Uhr nach Mainz. Um 22.00 Uhr bin ich wieder daheim.
... Peter


Soweit der Bericht von Peter. Ergänzend noch ein paar Big Points von mir:

Anja Born

Olaf Born

Während eines Besuches bei den beiden in Wehrheim stieß ich auf einen Reisebüro-Prospekt mit lauter Booten. Boote interessieren mich Hobby-Ostfriesen natürlich ungemein und ich fragte sofort, was sie denn vorhätten. Antwort: "Wir machen eine Bootstour in Irland, Du kannst vielleicht noch mitfahren - einer aus unserer achtköpfigen Gruppe bekommt wahrscheinlich keinen Urlaub. Nächsten Freitag ist das erste Vorbereitungstreffen!" Gesagt, getan, ich meldete mich als Ersatzmann, verzichtete aber auf das Vorbereitungstreffen, weil ja noch nicht feststand, ob ich in die Crew rutschte.

Beim nächsten Besuch in Wehrheim, empfing Olaf mich mit dem Telefonhörer in der Hand: "Da kommt er gerade - ich frag ihn gleich mal! Frank, fährst Du jetzt mit nach Irland?" Da zwei Tage später letzter Umbuchungstermin im Reisebüro war, gab es kein langes Überlegen - ich war dabei!

Soweit meine Schlußbemerkungen.

Fotos (C) by Uwe Blenz