Nachfolgender Bericht war eigentlich nur an Insider gerichtet, also Leute, die alle Beteiligten kennen und die Insiderinfos einzuordnen wissen. Daraus erklärt sich manche Schreib- und Ausdrucksweise. Trotzdem darf - wer möchte - hier weiterlesen:
Hallo Leute,
schon lange hatte ich den Wunsch, einmal nach Austria zu fahren und die Leute des HörNets Austria zu besuchen. Leider waren verschiedene Anläufe zum Silvester-Treffen 96/97, im Sommer 1997, zum Fakersee-Treffen, usw. immer wieder aus verschiedenen Gründen gescheitert.
Als meine Eltern mir am 14. Juni 1999 berichteten, daß sie gerne Anfang Juli zu einem Treffen ins Inntal fahren würden, wenn die Anreise nicht so weit wäre, begannen meine grauen Zellen zu mahlen! Man könnte doch zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen? Vier Tage später stand mein Plan fest und ich startete eine erste Anfrage in Austria.
Der Tony sollte sich doch mal für seine zwei OWL-Besuche revanchieren können! Den wahren Hofrat Dieter wollte ich doch schon längst kennengelernt haben, den Günni wollte ich auch mal wiedersehen und der Hans hatte doch gerade erst im HörNet etwas vom induktiven Auto geschrieben, das könnte doch auch etwas für mich sein!
Prima, alle vier reagierten positiv auf meine Anfrage. Tony übernahm die Planung und Quartiersuche. Also hab ich dann am 24. Juni auch gleich in diesem Echo meinen Austria-Trip angekündigt, vielleicht würden sich ja noch mehrere Fremdenführer und -innen finden. Am Sonntag abend, den 27. Juni konnte ich zufällig beobachten, wie mein Modem ein Fax empfing. Ungeduldig warte ich das Ende der übertragung ab, um das Fax dann sofort in den PC zu laden und anzusehen.
Mein Instinkt hatte mich nicht getäuscht. Tony hatte ein Hotel ausfindig gemacht und sandte mir nun dessen Info aus dem Internet. Sofort schaute ich mir die Internetseiten live an und buchte (für den Besuch von DFü- Freunden standesgemäß) sofort mein Hotelzimmer via Internet. Angeben, was ich brauchte (Einzelzimmer, Zeitraum), meine Adreßdaten, Kreditkarte angegeben, Klick gemacht und das Zimmer war gebucht. Am nächsten Tag erhielt ich schon die Buchungsbestätigung, natürlich wiederum standesgemäß per eMail.
Inzwischen hatte sich auf meine öffentliche Ankündigung Malvinchen gemeldet und Uschi (die aus gesundheitlichen Gründen nicht mitkommen kann) mischte auch kräftig bei der Programmgestaltung mit. Ich hab mich dann schon am Freitag vorher mit Alpendollars eingedeckt und der Abfahrtstag konnte kommen.
Halt, die Anreisebeschreibung stand ja noch aus. Vier Tage vor Abfahrt kam allerdings auch sie noch früh genug und ich unterschätzte zum ersten Mal (und hoffentlich letzten Mal) unseren Tony! Er hatte mir nämlich eine Anreisebeschreibung versprochen. Als ich dann per Fax 3 Stadtplanausschnitte auf einer DIN-A4-Seite bekam, gerade noch das Schloß Schönbrunn erkennen und ganz schwach handgemalte Pfeile erahnen konnte, ließ ich mich in einer Kurzschußreaktion mit harmlosen Verwünschungen in Richtung pensionierte Postbeamte hinreißen und schrieb noch blitzartig eine Mail an das Hotel in der ich um eine Anreiseskizze bat. Mit dem Rausjagen dieser Mail bekam ich eine lange, gute Anreisebeschreibung von dem guten Tony. Aber nichts für ungut, warum soll nicht auch ich mal daneben tippen! Im übrigen konnte ich während der gesamten Tage noch genügend staunen, wie sicher und gekonnt Tony mich durch Wien lotste! Hut ab, für einen "Halbblinden" eine stramme Leistung!
Mittwoch dann noch ein kleiner Schock. Meine Vertreterin im Dienst war nach einer ambulanten Ausschabung im Krankenhaus behalten worden! So war meine insgeheime Hoffnung geplatzt, schon Donnerstag morgen aufbrechen zu können. Glücklicherweise hatte ich genügend Autorität, um zwei widerstrebende Kollegen zu überzeugen, daß sie nach einem Crashkurs am Donnerstag morgen meine Vertretung übernehmen würden können. Uff, das war knapp!!!
Dann war es endlich soweit, den Kollegen unüblicherweise noch meine Handynummer gegeben, was ich ungerne tat, weil mein Dienstherr sich schließlich auch nicht an den Kosten beteiligt, aber nächsten Frühjahr hab ich eh eine neue Nummer. <grins>
Dann ging es endlich los, Richtung Flintsbach/Brannenburg im Inntal, um meine Eltern dort abzuliefern. Beim ersten bayrischen Bier konnte ich dann auch ganz schnell den Alltagsstreß abstreifen und auf Urlaubsstimmung umschalten. Dabei fiel mir ein, daß ich noch gar kein Pickerl für die austrianische Autobahn hatte. Irgendwo hatte ich doch etwas gelesen, daß Körperbehinderte Ermäßigung bekommen könnten? Aber wie und wo? Also noch fix zur Autobahntanke in der Nachbarschaft gefahren und gefragt. Antwort: "Ja, es gibt Ermäßigung, aber nicht hier, sondern am Grenzübergang nachfragen!" Also wieder zurück, noch ein letztes Bier und dann zum Matrazenhorchdienst.
Am nächsten Morgen ging es dann um 9 Uhr endlich los, auf zur Eroberung Austrias! An der Grenze wieder zur Verkaufsstation gepilgert und nach der Ermäßigung gefragt - Pech an einen deutschen Verkaufsstand geraten, also 100m weiter gefahren und dann ein drittes Mal nachgefragt. Nein, Ermäßigung gab es nicht, aber 10 Tage kosten eh nur 70 Schilling. Also Pickerl angeklebt und auf ging es nach Wien! Trotz orkanartigen Regenschauern, bei denen nur noch Nebelrücklichter zu erkennen waren, ging alles gut.
Um halb zwölf zeigte mein Handy meine erste SMS-Nachricht an:
| Von: <-5294112 Gute Reise! Das Wetter ist nicht optimal, in Wien regnet es. Melde Dich wenn Du da bist damit ich es im HN schreiben kann |
Hmmh, mit Tony hatte ich mich verabredet, daß ich ihn anrufen würde, wenn ich angekommen war, konnte der Gute es nicht mehr abwarten oder warum jetzt diese Nachricht?
Um zwei hatte ich dann dank einer excellenten Wegbeschreibung durch Tony mein Hotel "Springer-Schlößl" gefunden. Naja, rollstuhlgerecht war es wahrlich nicht, das brauchte es ja auch nicht sein, weil ich ja für kurze Hausstrecken noch gut zu Fuß bin. Aber trotzdem etwas irreführend, wenn ein Hotel mit dem Rollstuhl-Symbol (bestimmte Einrichtungen für Rollstuhlfahrer) wirbt und man dann seinen Koffer zum Zimmer im Erdgeschoß draußen über 2 x 8 Stufen und drinnen über 2 x 4 Stufen wuchten muß. Von einem Gepäckträger o.ä. weit und breit nichts zu sehen. Aber was soll es, ich wollte ja kostengünstig wohnen, dann konnte ich keinen roten Teppich erwarten. Als ich gerade meinen Koffer im Zimmer hatte und noch meinen Schweiß abwischte, bimmelte das blöde Telefon. Wer war denn das? Tony konnte es nicht sein, der wußte doch, daß ich mit dem Hoteltelefon sowieso nicht telefonieren konnte, außerdem sollte er ja meinen Anruf abwarten! Sollte ein anderer aus dem HörNet meine Ankunft nicht abwarten können? Egal, abnehmen lohnt sich nicht, ich hör sowieso zu wenig und wenn dann die Rezeption dran war, meinten die womöglich noch, ich hätte 'nen Dachschaden, also das Telefon munter bimmeln lassen. Man was war der/die Anrufer/in hartnäckig, egal, irgendwann schwieg das Telebim.
Außerdem wollte ich mich ja sowieso gleich anmelden. Also schnell ans Handy. Mist, ich hatte Tonys Telefonnummer noch im Auto, also erst die Unterlagen holen. Auf dem Weg sprachen mich zwei Hotelangestellte an, ich möge bitte den "Tony in Wien" zurückrufen. Verflixt, sollte dem Guten etwas Ernstes dazwischen gekommen sein, daß er so wild hinter mir her telefonierte? Also schnell angerufen nein laut Ingrid war nichts passiert, sie hatten es nur eilig meine Stimme zu hören. Na warte, solche Ungeduld würde ich Euch gleich am ersten Abend austreiben! <grins> Schnell vereinbarten wir mein Kommen für fünf Uhr. - Ich machte mich schnell frisch, ließ ein Taxi holen und stand schon um halb vier vor Tonys Türe! So schaffte ich es doch noch, den Überraschungseffekt auf meiner Seite zu haben.
Den ersten Abend ließen wir dann bei Heckenast mit einem zünftigen steyrischen Abendessen und gutem steyrischen Schilcher ausklingen. Nebenbei besprachen wir das weitere Programm und ich ließ meine ersten Meldungen im HörNet los. Verflixt, wie konnte ich blo&szl0ig; passend die blödsinnige Diskussion zwischen 'Uns Uschi' und Malvina beenden, in der Uschi völlig unnötige und unpassende Warnungen zu meiner Person vom Stapel ließ? Nach einem weiteren Glas Schilcher hatte ich den rettenden Einfall: Frauen lassen sich am ehesten von Frauen zum Schweigen bringen, also mußte Ingrid die "passende" Antwort geben! Gedacht, getan, Ingrids Namen eingetragen, eine salbungsvolle Antwort geschrieben und vor dem Abschicken Ingrid anstandshalber noch um ihr Einverständnis gebeten. ;-)))
Gleichzeitig stellte sich im HörNet heraus, daß die SMS-Nachricht am Morgen gar nicht vom Tony, sondern vom Günni stammte. Dieser Depp glaubt, daß er keinen Namen unter eine SMS setzen braucht, weil anhand seiner Nummer die SMS versifizierbar ist. Im HörNet noch schnell eine "passende" Antwort losgelassen und am Abend im Hotel noch die SMS wie folgt beantwortet:
| JA, WENN ICH GEAHNT HAETTE, DASS DU ES WARST, DANN
HAETTE ICH EHER DIESE ANTWORT PER HANDY ZUSAMMENGEFUMMELT GRUSS FRANK |
Erst viel später sollte ich erfahren, daß Günni diese SMS nie erreichen konnte.
Am Samstag morgen holten die Heckenäste mich dann um 10 Uhr am Hotel ab. Wir spazierten bei wechselhaftem Wetter zum Caf Gloriette im Schloßpark.
Später stelle ich fest, daß ich ungefähr zu diesem Zeitpunkt folgende SMS bekommen habe:
| Von: <-5294112 Heute schon HÖRNET gelesen? Gerde holte ich frisch vom Schaddi germanische Mails. Wennst beim Toni bist kann er ja mal pollen. Er hat zuletzt um 9:39 gepollt. |
Leider hab ich noch keinen Vibrator, um jederzeit mitzubekommen, wenn sich auf meinem Handy etwas tut, daher probierte ich in aller Ruhe eine weitere Landesspezialität nämlich Topfenknödel mit Erdbeersauce. Dann gingen wir durch den wunderschönen Schloßpark Schönbrunn zur U-Bahn-Station, um zum vereinbarten Treffpunkt, die U-Bahn-Station "Handelskay", zu fahren. Dort angekommen bemerkte ich plötzlich, daß Tony und Ingrid jemanden durch heftiges Winken begrüßten. Gespannt fuhr ich zur Türe, um dort den Dieterle zu begrüßen. Nicht mehr so langhaarig, wie auf den Fotos von Uschi vor einiger Zeit, aber trotzdem unverkennbar!
Nun hatte Ingrid ein Problem. Sie hatte folgende SMS auf Ihrem Handy:
| Von: <-5294112 u-bahn bzw s-bahnsta. HANDELSKAI gibt es nicht, wo set ihr?? * |
Von wem war nun diese Mail? Auch Dieterle mußte zweimal hinsehen, um schließlich Günnis Nummer wiederzuerkennen. Wir dann schnell wieder nach oben gegangen, aber niemand zu sehen. Nun began ein wahres SMS-Bombardement:
| Von: <-5294112 u-bahn bzw s-bahnsta. HANDELSKAI gibt es nicht, wo set ihr?? |
| Von: <-5294112 u-bahn bzw s-bahnsta. HANDELSKAI gibt es nicht, wo set ihr?? |
| Von: <-5294112 neuen treffpunkt ausmachen, milleniums tower??? warum meldet sich von euch niemand? station handelskai unbekannt, hab schon 3 od 4x sms gesendet. günther |
Ingrid weiß nicht, wie sie SMS-Nachrichten versenden kann, Dieter hat kein Handy, also müssen wir von meinem Handy Günther antworten. Damit es schneller geht, übernimmt Dieter das mühsame Tippen und schreibt eine lange Antwort, die leider nicht mehr vorliegt.
| Von: <-5294112 was nun? keine Verbindung? beim telefon hebt aber wer ab. wieso keine sms antwort? wenn in 5min keine antwort kommt bin ich weg. günther |
| Von: <-5294112 keine antwort auf meine sms? hab schon 5 oder 6 gesendet. wollts mich verarschen? |
Nun stelle ich fest, daß Dieters SMS offenbar nicht rausgegangen ist, und er schreibt eine neue:
| WIR STEHEN VOR DEM EIGANG MILLENIUMTOWER DIETER |
Dieses Mal passe ich genau auf und bekomme folgende Meldung:
*SMS-SENDEFEHLER!*
Offenbar kann ich mit meiner Handy-Karte aus Deutschland im Ausland zwar problemlos telefonieren und SMS-Nachrichten empfangen, aber keine versenden. Zu diesem Unglück kommt auch noch folgende SMS:
| Von: <-5294112 ok, vergiß alles. schönes weekend. ich fahr jetzt heim. |
Resignierend wenden wir uns Richtung Milleniums-Tower, weil wir keine Möglichkeit wissen, die Situation zu lösen. Plötzlich ein erlösender Anruf. Eine Bekannte von Günther ruft an und erkundigt sich nach der Situation. Mit ihrer Hilfe gelingt es, die verworrene Situation aufzuklären. Somit klingen die nächsten Nachrichten weitaus freundlicher:
| Von: <-5294112 gehts einfach weiter. wenn ich da bin meldeich mich. g. |
Wir schauen inzwischen auf die Donau, Dieterle erklärt mir, daß der Fluß leider 'ein bi ßchen schmutzig' ist, weil er vorher durch Veitsbronn fließt, wo die Uschi wohnt. ;-)))
| Von: <-5294112 bin jetzt in garage milleniumstower. gehe mal hoch und melde mich nochml. |
Inzwischen haben wir eine Snackbar ausgesucht, wo Dieter und ich uns gerade mit Verpflegung eindecken, als folgende SMS kommt:
| Von: <-5294112 bin im EG, bitte schickts wem. hauptgang. icdh gehe af und a. rote jacke |
Dieter läßt sofort sein Tablett in Stich und fängt den Günni ein. Nach einer kleinen Stärkung überzeugt sich Günni, daß wir wirklich keine Chance hatten, ihn zu erreichen und dann bekommen Tony und ich unsere erste Communikator-Vorführung.
Zwischendurch schießt Günni mit seiner Digitalkamera nachfolgende Fotos und untertitelt sie wie folgt:
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Ein grinsender Winki |
Tony und Dieter: Wo ist der Handelskai? |
Ein staunender Winki |
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Nochmal der Winki |
Dieter gestikutiert und Winki guckt nach der Kamera |
Zwei Beamte: Toni und Dieter |
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Die Heckenäste: Ingrid und Tony |
Didi und Winki |
Ingrid Heckenast |
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Toni Heckenast lacht sich eins |
"Sozialminister" Dieter Chmiel |
Anschließend bummeln wir ein wenig durch dieses Geschäftscenter und Günni bringt noch die Verkäuferinnen eines Eduscho-Geschäftes an den Rande ihres Verstandes, als er sich zwei Minuten vor Geschäftsschluß noch 4 kg (in Worten: vier Kilo) Kaffee abpacken läßt.
Günni bringt seinen Kaffee nach Hause und wir anderen begeben uns zum Karl-Wirt (http://www.karlwirt.at/karlwirt/). Nachdem Dieter mich während einer kurzen Toyota-Fahrt kurzerhand zum "Fürsten von Bünde" erklärt hat, ziehe ich mein HörNet-T-Shirt über und darf nach und nach den Herzog von Perchtoldsdorf Michael, die Herzogin von Perchtoldsdorf Sissy, (logischerweise) die Herzogsprinzeßin von Perchtoldsdorf Sabine, Michi Ebeler mit Frau und Lothar Hirsch mit Frau und zuletzt Günni mit Luna begrüßen. Wir lassen uns das Bier und das Essen schmecken, ich bestelle ein österreichisches "Surschnitzel" und probiere anschließend auf Veranlassung von Dieterle noch 1 1/2 Stücke "Malakoff-Torte". Als ich mich erkundige, warum der Herzog sein Bier in kleiner aussehenden Gläsern bekommt, erkennt dieser sofort den Ernst der Lage und sorgt dafür, daß mir als Fürsten von Bünde die gleiche Ehre zukommt. Trotzdem ziehe ich bei der fünften Runde nicht mehr mit, sondern verzichte zugunsten meines Programms am nächsten Tag.
Am nächsten Morgen zeigen die Biere beim Karl-Wirt ihre Wirkung, denn ich verzichtete zugunsten einer weiteren Stunde Schlaf auf mein Frühstück. Als ich mich dann endlich aus dem Bett geschält hatte, lag unter der Türe hergeschoben eine Hotel-Mitteilung:
Programmänderung: Ingrid und Toni kommen später. Sie brauchen
das Auto Rollstuhl bitte ins Auto einpacken.
Was denn nun? Was hieß später wieviel später? Um 10 nach 10 also angefangen zu telefonieren, die Heckenäste waren noch zu Hause, wollten aber gerade los und hatten eine Einladung von Slomo (Malvinas Mann) in den Garten der Kohns im Gepäck. Prima, statt 'Wiener Kultur' 'Gartenkultur von Wienern' das gefiel mir, also wartete ich die Ankunft der Heckenäste ab und chauffierte sie dann 40 km außerhalb von Wien zu dem Campingplatz, auf den der Wohnwagen der Kohns steht. Der Wohnwagen war auch da, bloß weder Malvina noch ihr Gatte waren dort. Egal, nach kurzer Wartezeit fuhr Malvina vor. Ihr Mann stieg aus und begrüßte uns bloß die Gute kam nicht aus ihrem Auto heraus. Achja, es regnete ja, da muß erst eine Schirm daher. Wozu hatte ich auch einen in der Hand?
Dann klärte sich auf, daß ich die beiden nicht etwa bei der
Anfahrt überholt und abgehängt hatte, sondern daß sie noch
etwas eingekauft hatten. Was ein Glück, schließlich hatte ich
noch kein Frühstück gehabt! Bei prasselnden Regentrommeln
ließen wir uns die Brötchen mit Schafskäse (oder war es
Ziegenkäse?) schmecken und ich bekam meine zweite
Communicator-Schulung. Dieses Mal konnte ich schon selbst ein Fax
ans Organisationsbüro Veitsbronn abschicken. Anschließend
nutzten wir das Ende des Regens zu einem kleinen Spaziergang
über den Campingplatz. Während des gesamten Besuchs staunte
ich, wie gut Malvina auch bei mir ablesen konnte und wie gut sie
quasseln kann. ;-))) Ich bin ja von Uschi schon einiges gewohnt,
aber Malvinas Leistung als von Geburt an Fast-Taube ist wirklich
excellent!
Dann gab es noch eine kleine Diskussion, als ich mit ihr und den
Heckenästen auf eine Alm fahren wollte, ihr aber offensichtlich
der Mut fehlte, sich einem "Flachlandtiroler" auf einer
Alpenstraße als Chauffeur anzuvertrauen. Ich mußte doch
innerlich mächtig grinsen, als Malvinchen meinte, mir ging es um
eine Herausforderung als Autofahrer. Wenn die Gute wüßte, wo
ich schon alles rumgekurvt bin, egal ob im Schlick des
Wattenmeeres, dem Sand der ungarischen Pusszta oder den
bayrischen Alpenfußwegen (während andere Bergwanderungen
machten, brauchte ich schließlich auch einen Zeitvertreib) dann
hätte sie gewußt, daß es mir nicht um eine Herausforderung
ging. :-))) Als h´öflicher Gast hab ich dann aber mit Rücksicht
auf die Nerven aller anderen auf die Herausforderung "mich
durchzusetzen" verzichtet. ;-)))
Wir fuhren dann zurück nach Wien, brachten mein Auto zum
Hotel und gingen dann in die Innenstadt, um zu schauen, ob sich
noch jemand zum vereinbarten Treffpunkt zum Rathaus verirren
würde. Auf dem Rathausplatz findet anläßlich 100 Jahre Johann
Strau<ß allabendlich ein Filmfestival statt. An diesem Abend wurde eine Aufzeichnung des Neujahrskonzert 1981 der Wiener Philharmoniker gezeigt. Für mich als Kulturbanause war diese Musikrichtung der Klassik zwar weniger interessant, aber mich interessierte das ganze Drumherum. Vor dem Rathaus war eine Großleinwand aufgebaut, vor der ca. 3.000 Sitzplätze aufgestellt sind. Dahinter befindet sich ein kleiner "Kirmes" mit den üblichen Freßbuden und Zapfstellen. Im Internet ist dieses unter "http://www.wien.gv.at/ma53/webcam.htm" ganz gut zu
sehen.
Nachdem sich nur Malvina am Treffpunkt einfand, gingen wir ins
Prominentencaf Landtmann, leider konnten die meine
Kuchenwünsche nicht mehr erfüllen, so daß ich zuschaute, wie
die anderen ihren Apfelstrudel verspeisten. Als wir dann um halb
neun zum Rathausplatz zurückkehrten, füllten sich allmählich
die Plätze, so daß wir uns entschlossen, dazubleiben, um die
Plätze am Rande (für mich mit dem Rolli erreichbar) zu behalten
und erst anschließend zur Heurigen Marie (oder so ähnlich) zu
gehen. Inzwischen hatte ich auch etwas Hunger bekommen zugucken
macht hungrig und entschloß mich, einmal zu Fuß über die
Kirmes zu schlendern. Bei einer Burenwurst konnte ich dann meinen
ersten Hunger stillen, schließlich wollte ich noch nicht zu viel
essen, vielleicht gab es ja beim Heurigen auch noch etwas
Eßbares. Noch mampfend kehrte ich zu der Truppe zurück, in der
Malvina es wohl inzwischen etwas kühl geworden war und sie sich
meine Jacke ausgeborgt hatte. Ich hängte mir deshalb Ingrids
Fahrradponque um, was völlig ausreichte. Um halb zehn bei
Einbruch der Dunkelheit begann dann die Vorführung. Am
fazinierensten war für mich, wieviele Leute jung und alt sich
hier zusammengefunden hatten, um der Vorführung zu lauschen.
Für mich war die Fidelei weniger beeindruckend, so daß ich nach
dem ersten (allerdings längerem) Stück das Zeichen zum Aufbruch
gab. Inzwischen hatte Malvinchen sich allerdings überlegt, daß
sie nicht mehr mit dorthin wollte, weil ihr das zu spät wurde,
um anschließend allein nach Hause zu gehen. Also entschlossen
wir uns sie nach Hause zu begleiten. So lernte ich den ersten
Bezirk Wiens noch etwas kennen, schockte Malvinchen noch etwas,
als ich mit dem Rolli und Vollgas einen Schotterweg (Baustelle)
hinabraste (etwas Rache für den entgangenen Almblick mußte
schließlich sein ;-="]]])" und ließ mir das
Bermudadreieck von Wien erklären. Bei Malvina angekommen, bekam
ich nochmals Slomo's riesige Gastfreundschaft mit, denn er
entschloß ich sofort, uns noch zur Ruprechtkirche zu führen und
ging anschließend noch mit uns zu einem befreundeten
Restaurantbesitzer, bei dem wir uns noch etwas Bettschwere
holten. Slomo's Begleitung bis nach 23 Uhr ist ihm deshalb so
hoch anzurechnen, weil er am nächsten Morgen um 'dreiviertel
fünf' oder auf Deutsch 'viertel vor fünf' wieder aufstehen
mußte. Malvinchen und Ingrid konnten sich nicht einigen, ob an
der nächsten U- Bahn-Stadion die benötigten zwei Lifte für
meinen Rolli vorhanden waren, weshalb Malvina es sich nicht
nehmen ließ, uns noch dorthin zu begleiten. Mir war zwar die
(weibliche) Logik nicht klar, warum es ihr nun plötzlich nichts
mehr ausmachte, allein in der Nacht von der U-Bahn-Station
zurückzugehen, aber sei es drum. Malvina gewann die Wette mit
Ingrid und wir fuhren mit der U-Bahn heim. In der U-Bahn hatte
ich noch ein kurzes Gefecht mit Ingrid, die sich in den Kopf
gesetzt hatte, mich eine Station vorher in ein Taxi zu setzen,
damit "der Kleine" auch wohlbehütet zu seinem Hotel
zurückkam. Kurz vor dem Aussteigen durchschaute ich diesen Plan,
der für mich durch das Ab- und Aufbauen des Rollis zum
Taxitransport viel zu umständlich war, und durchkreuzte ihn.
Klar, daß ich mich gegen den Mutterinstinkt durchsetzte und
nicht mit dem Taxi sondern allein mit dem Rolli zum Hotel fuhr.
Als Gegenleistung durften die Heckenäste dann noch mit zu meiner
Station fahren, damit sie sich überzeugen konnten, daß ich auch
wirklich Richtung Hotel fuhr. :-)))
Am Montag hieß es früh fit sein, Tony und ich wollten zu Hans in die Steiermark fahren. Tatsächlich, ich war pünktlich aus den Federn und Platon pünktlich zur Stelle. Also noch kurz den Neuholds Bescheid sagen und dann konnte es losgehen! Aber meinem Cheforganisator war seine erste und einzige kleine Panne unterlaufen, er hatte den Zettel mit der Telefonnummer zuhause verloren und stattdessen zig andere Adressen und Nummern dabei. Ingrid war schon zur Arbeit, Dieterle net an seinem Schreibtisch, da war guter Rat teuer. Zum Glück fand Tony die Telefonnummer einer Verwandten von Hans (oder so ähnlich), rief die an und ließ sich die Nummer vom Hans geben, um dann dessen Frau anrufen zu können und ihr unsere Abfahrt melden zu können.
Eine gute halbe Stunde später als geplant, ging es dann endlich auf in die Steiermark. Auf der Fahrt dorthin erreichte uns noch folgende SMS:
| Von: <-5294112 Gute Reise nach Weiz! Gesten ales OK gewesen? Steh gerade im Stau zur Arbeit. |
In Bichl kurz vor Weiz stand das "induktive Auto" vor einem Gasthaus und der Hans winkte sofort fröhlich zu uns hinunter. Schnell tranken wir einen Begrüßungstrunk und dann lotste er uns zu sich nach Hause. Dort stellten wir mein Auto ab und steigen in das induktive Auto um. Wumm, war das ein herrlicher Klang, nachdem wir unsere Hörgeräte auf Induktion umgestellt hatten. Das Radio war klar zu hören und auch die Stimmen der anderen Insassen kamen über ein Innenraummikrofon klar und deutlich rüber, so daß das Radio schnell wieder abgestellt wurde und wir Hans seinen Erläuterungen lauschten, während er uns auf die größte zusammenhängende Alm Europas fuhr. Am meisten beeindruckte mich, daß ich auf den Beifahrersitz keine Probleme hatte, den Tony zu verstehen, der hinter mir saß, denn damit habe ich im Auto am meisten Probleme, während der Fahrt bei Motorengeräusch die Hinterbänkler zu verstehen.
Auf der Alm führte Hans uns in ein zünftiges Gasthaus, wo ich mir beim Zwiebelrostbraten einen Almdudler schmecken lies. Während der Unterhaltung erzählte Hans u.a. auch von seinem Weinbauern, der sowohl mich als auch Tony aufhorchen ließ. Ich nutzte eine "erzwungene" Pinkelpause von Tony, um mit Hans noch einen Kurzausflug zum Weinbauern zu vereinbaren. Wir plauderten nach dem Essen noch ein wenig und Hans fuhr uns dann wieder zurück, denn seine Frau erwartete uns zum Kaffeetrinken. Viel zu schnell hieß es Abschied nehmen vom induktiven Auto. Nach einer sehr gastfreundlichen Bewirtung im Hause Neuhold ging es dann mit zwei Autos zum Weinbauern. Leider mußte ich mich bei der oststeirischen Weinprobe als Autofahrer viel zu sehr zurückhalten, aber die einzige Probe, die ich genoß, überzeugte mich sofort! Auch wenn es mir tief gegen den Strich und gegen meine Ehre ging, kaufte ich schweren Herzens einen einzigen Karton Wein. Noch nie habe ich einen Weinkeller, dessen Wein mir schmeckte, mit einer solchen Minibestellung verlassen! Aber ich mußte dran denken, daß ich ja auch meine Eltern noch wieder mitnehmen mußte und das Auto schon auf der Hinfahrt proppevoll war. Ich versprach der Weinbäuerin aber hoch und heilig, wiederzukommen und dann mehr zu kaufen! :-)))
Nach der Rückkehr in Wien fingen wir dann die Ingrid ein und die Heckenäste und ich feierten unseren Abschiedsabend. Zwar hatte ich meinen Aufenthalt um einen Tag verlängert, weil ich noch einen Abstecher nach Ungarn machen wollte, aber die Ingrid würde ich nicht mehr sehen, während der Tony mich am Mittwoch morgen noch zum Kapfi und zum Bundessozialamt führen sollte. Im Schönbrunn-Stüberl genossen wir den Rückblick auf die vergangenen Tage, ein leckeres Abendessen und zum Abschluß ein Stückchen Sachertorte.
Bei der Gelegenheit fiel mir ein, daß ich mein Hotel noch gar nicht über meine Verlängerung informiert hatte, da mußte ich unbedingt den Nachtportier gleich noch informieren!
Da ich gestern abend vergessen hatte, den Nachtportier über meine Verlängerung zu informieren, bin ich jetzt vor dem Frühstück schnell zur Rezeption geflitzt und hab gefragt, ob ich noch eine Nacht bleiben kann. Prima, geht okay!
Der Dienstag sollte eine kleine Pause vom HörNet Austria sein. Ich hatte von früheren Reisen einen guten Bekannten in Piliscsaba bei Budapest. Leider war diese Freundschaft in den letzten Jahren eingeschlafen, weil ich lange nicht mehr in Ungarn war und dieser Freund aufgrund seiner Querschnittslähmung Probleme hat, mich zu besuchen. Nun wollte ich meinen Wien-Besuch nutzen, um auch noch die letzten dreihundert Kilometer zu diesem Freund zu fahren. Tony wollte leider nicht mitfahren, schade sonst hätte ich einen Dolmetscher gehabt.
Aber vor Abfahrt mußte ich noch eine Austria-Angelegenheit
klären! Denn es war zwar bislang alles reibungslos gelaufen,
aber zu einem näheren Kennenlernen mit dem Dieterle war es noch
nicht gekommen! Zwar hatte ich ihn während des
Milleniumtower-Besuchs und beim Karl-Wirt kennengelernt, aber
unter fast gleichaltrigen Beamtenkollegen sollte es noch mehr zu
beschwatzen geben. Leider war er am Samstag morgen nicht
mitgekommen, weil er zu wichtigeren Diensten
(Matrazenhorchdienst) eingeteilt war und auch die geplante
Mitfahrt in die Steiermark war nicht zustandegekommen, weil er
sich das induktive Auto zwei Tage früher angeschaut hatte. Auch
seinem Planungsauftrag für Montag abend war der Gute nicht
nachgekommen, so daß es beinahe so ausschaute, als ob der
Wirkliche Hofrat mich nicht mehr empfangen wollte. Aber so
schnell sollte der mich nicht abschütteln können! ;-)))
Nachdem ich am Montag abend zwischen 19.00 und 23.40 Uhr mehrfach
vergeblich versucht hatte, ihn zu Hause zu erreichen, mußte ich
ihn jetzt im Büro wecken! Der Tony hatte zum Glück am gestrigen
Abend dem Dieters Büronummer noch aus seinen grauen Zellen
zusammengekratzt, so daß ich jetzt im Bundessozialamt anrufen
konnte. Leider meldete sich nur ein Tonband des österreichischen
Gewerkschaftsbundes. Sollte der Dieter bei Abwesenheit ein
Tonband der Gewerkschaft geschaltet haben? Zuzutrauen ist ihm ja
alles.
Also erst einmal Richtung ungarische Grenze gefahren und von
einem Rastplatz wieder versucht. Wieder dieses blöde Tonband!
Oder sollte Platon eine falsche Nummer aus dem Gedächtnis
gekramt haben? Aber der schlief doch jetzt noch im siebenten
Himmel, den konnte ich doch noch nicht wecken!
Also Weiterfahrt bis zur Grenze. Dort einige Forint geholt
wieviele würde ich wohl brauchen? Eigentlich nur zum Mittagessen
und Essen war in Ungarn immer billig, da sollten 30 DM reichen.
Gesagt, getan ich bekam 3.600 Forint. Da noch einmal das
Gewerkschaftstonband angehört; inzwischen war es halb elf,
Schluß mit lustig, jetzt mußte Wiens größter Philosoph dran
glauben. Donnerwetter, der war aber schnell am Telefon! :-)) Der
Rufnummernvergleich ergab eine falsche Ziffer, meinen heißen
Dank und Tony durfte weiter ruhn.
Endlich bekam ich den Wirklichen Hofrat an die Strippe! Der lud
mich auch gleich für den Abend nach Wr. Neustadt ein und wir
vereinbarten meinen Anruf nach Rückkehr aus Ungarn. Sollte es
mir doch noch gelingen, zu der Residenz des Wirklichen Hofrates
vorzudringen? ;-)))
Nun erst einmal nach Ungarn! Nach wenigen Kilometern ein Stop, was war das? Die Ungarn waren tatsächlich so clever gewesen, die ersten ca. 50 Kilometer Autobahn privat bauen zu lassen, so daß alle Touristen aus dem goldenen Westen erst mal zur Kasse gebeten wurden. Ich war so perplex, daß ich statt in DM oder Schilling in Forint bezahlte und so schon 1.700 Forint los war.
Hundert Kilometer vor dem Ziel, just hinter einer Ausfahrt kam ich dann im Stau zum stehen. Ich hätte noch runter fahren können, aber ich dachte, das geht vielleicht gleich weiter. Pustekuchen, 60 Minuten stand ich dort und es ging immer noch nicht weiter. Die Ungarn sehen das etwas lockerer und fahren einfach auf dem Standstreifen in die entgegengesetzte Richtung bis zur Abfahrt zurück. Nach 1 Stunde tue ich es ihnen nach, um an der Abfahrt zu sehen, daß die Polizei die Autobahn inzwischen komplett gesperrt hat und alle Fahrzeuge auf die Abfahrt hinunterschickt. Also wird die Umleitung auch voll sein. Kurzerhand entschließe ich mich, querzu über die Dörfer zu meinem Ziel zu fahren. Um 14 Uhr erreiche ich dann auch mit knurrendem Magen die Adresse. Da ich mich nicht angemeldet hatte, wollte ich nicht riskieren, daß mein Freund davon fuhr, während ich speiste.
Groß war die Wiedersehensfreude und ich wurde spontan in eine Pizzeria zum Essen eingeladen. Als ich endlich mein Essen hatte das Essenmachen muß genauso lahmarschig wie das Aufnehmen der Bestellung verlaufen sein war es nun schon 15 Uhr und mein Freund ließ mich nicht wieder fort, ohne mir die neu erbaute Wohnanlage zu zeigen, in der er nun wohnt. Selbst die Baustelle, von der noch Gästezimmer werden (z.B. für mich im nächsten Jahr), mußte ich mir ansehen.
Um 16 Uhr hatte er mir dann auch noch seine Freundin und ihr gemeinsames 20 Monate altes Töchterchen vorgestellt und ich konnte ich wieder verabschieden. War auch allerhöchste Eisenbahn, denn Dieterle und seine Gabschi erwarteten mich doch noch zum Abend! Schade, daß der blöde Stau mir insgesamt 2,5 Stunden gekostet hatte.
Glücklicherweise kam ich zurück gut durch, bin dann in Neusiedl von der Autobahn gefahren, um noch einen schnellen Blick über die dortigen Weinanbaugebiete zu werfen und über Eisenstadt Richtung Wr. Neustadt zu fahren.
So, nun mal schauen, ob der Wirkliche Hofrat mich empfangen würde! Er gab sich scheinbar allergrößte Mühe ungestört zu bleiben. ;-))) Bei der Anfahrt auf Wr. Neustadt ließ er mich von Blitz und Donner empfangen, als mich das nicht abschreckte, ließ er mir eine Wegbeschreibung geben, nach der ich einen Kreisel überqueren sollte. Bloß der erste Kreisel, den ich erreichte, war noch im Baustadium und geradeaus versperrten Barrikaden die Weiterfahrt. Ich ließ mich aber nicht abschütteln, rief wieder an, erfuhr, daß Dieterle den neuen Kreisl unterschlagen hatte und erhielt Anweisung auf den Parkplatz des nächsten Baumarktes zu fahren.
Dort hielt nach kurzem Warten der bekannte Toyota neben mir,
ich erhielt bei strömenden Regen die Anweisung unauffällig zu
folgen. Als Essensmöglichkeiten war mir zuerst
"chinesisch" angeboten worden, was ich rundweg
abgelehnt hatte, schließlich stand bei mir Austria und nicht
Peking auf dem Reiseprogramm. Außerdem esse ich ungern
schlitzaugenmä´ßig süß-sauer. Die Alternativen
"griechisch" oder "italienisch" hörten sich
da schon besser an. Schließlich einigten wir uns auf das Cinema
zum Palat-Schinken-Essen. Lecker! Dabei lernte ich auch endlich
die Gabschi kennen! Leider war der Wirkliche Hofrat sich nicht
würdig, in mein bescheidenes Auto einzusteigen, so daß ich
umsonst aufgeräumt hatte und etwas fad immer hinter ihm her
kutschieren mußte. Seine Residenz öffnete er auch nicht für
mich, stattdessen führte er mich bei Stippelregen durch die
Innenstadt von Wr. Neustadt. Okay, für einen Empfang bei Hofe
war ich nach dem Ungarntrip auch net würdig genug angezogen!
;-)))
Da der Regen nicht nachließ, fiel der Stadtrundgang etwas
kürzer aus und wir verabschiedeten uns relativ früh. Ohne
meinen bewährten Führer Tony hatte ich dann bei Nacht
noch etwas Schwierigkeiten mein Hotel zu finden und genoß noch
eine einstündige Stadtrundfahrt durch das Nachtleben von Wien,
so daß ich zu der gewohnten Zeit im Hotel eintraf.
Am Mittwoch morgen hieß es besonders früh fit sein, Tony hatte vom Hans beim Kapfi um 9 Uhr einen Termin machen lassen. Um halb neun wollte er da sein und ich mußte vorher Koffer packen, verladen und frühstücken. Nach dem Frühstück dann Zimmerschlüssel abgegeben und die Frage der Dame an der Rezeption 'Wie woll'ns denn zahlen?' mit Unverständnis begegnet. Wozu hatte ich schließlich bei der Buchung meine Kreditkartenangaben eingetippert? Ich hatte jetzt bloß noch die Vorlage eines Beleges zur Unterschrift erwartet. Aber nein, so weit ist die Internettigkeit nun doch noch nicht, ich mußte die Karte nochmals durch ein Lesegerät schieben lassen und dann den Beleg ganz normal unterschreiben.
Dann kam mein "Noch-Cheforganisator" und die Fahrt zum Kapfi konnte beginnen. Was hatte es mit diesem Besuch auf sich? Kurze Erklärung, der Kapfi, alias Manfred Kapfenberger kurze Zeit auch mal Point im HörNet , ist der Vibratorenverkäufer von Austria. Ich hatte diese nützlichen Geräte zum Anzeigen von Eingängen beim Handy während meiner Wien-Tage das erste Mal in der praktischen Anwendung erlebt und wollte mir nun selbst auch einen solchen Vibrator zulegen, weil ich bisher auch im seltesten Fall mitbekomme, wenn mein Handy bimmelt, sondern mich immer drauf beschränken mußte, die Mailbox gelegentlich abzuhören. Da der Kapfi selbst auch schwerhörig ist und deshalb unsere Problematik aus eigener Anschauung kennt, würde er ein interessanter Gesprächspartner für mich sein.
So war es auch. Zwar kamen wir nicht mehr ins Geschäft, weil der Kapfi keine Vibratoren mehr vorrätig hatte und der Hersteller die Herstellung eingestellt hat, aber der Kapfi bemüht sich um Nachfolgemodelle und hält mich auf dem Laufenden. Kurz vor unserem Weggehen, stellte sich heraus, daß eine deutsche Firma den bekannten Vibrator auch im Programm hat. Mal sehen, ob das Modell noch zu bekommen ist. Trotzdem hatten wir ein sehr informatives Gespräch, ich stellte dem Kapfi das erste induktive Handy (!) vor und ließ mich von ihm in einigen anderen Dingen (Wecker, etc.) beraten.
Anschlie´ßend hatte der Dieterle noch eine Chance, mich in seiner Dienstresidenz zu empfangen. Am Empfang gab es erst ein kurzes Mißverständnis, weil ich der Empfangsdame nicht sofort klar zu verstehen geben wollte, daß es sich 'um eine private G'schicht' handelt, aber dann gab sich der Wirkliche Hofrat alle Mühe, mich würdevoll zu empfangen. Er lud uns zum privaten Arbeitsessen ein, füllte mich bei Semmelknödeln mit Almdudler ab und führte mich anschließend durch den dritten Stock des Bundessozialamtes. Interessant war das Museum des Amtes, dort gab es alte Hörgeräte, andere Hilfsmittel und den 79jährigen Präsidenten des Schwerhörigenverbandes zu bestaunen ;-))). Aber auch die aktuelle Technik konnte ich im entsprechenden Vorführraum besichtigen. Bloß die Residenz des Wirklichen Hofrates blieb mir wiederum versperrt. ;-(
Das waren sechs Tage Wien, der Abschied war entgültig gekommen, mit einem herzlichen Händedruck verabschiedete ich mich erst vom Dieterle und dann vom Tony und trat die erste Etappe meiner Heimreise an. Nach guter Fahrt traf ich an der Urlaubsstätte meiner Eltern ein. Als die mich im Laufe des Abends fragten, ob wir am Donnerstag oder erst am Freitag heimführen, willigte ich sofort in die erneute Verlängerung ein und plante für Donnerstag einen Trip nach München. Dort in München klapperte ich dann ergebnislos die Geschäfte nach dem besagten Vibrator ab und beschädigte mein induktives Handy schwer :-(((.
Freitag stand dann die letzte Etappe meiner Heimreise an, während der ich schließlich noch an der Grenzkontrollstation Veitsbronn meinen Paß vorzeigen wollte. Leider hatte ich vor der Paßkontrolle noch ein kleineres Unglück. Kurz vor Veitsbronn ist mir beim Mittagessen das Glas mit Spezi (für Austria: "Almdudler-Ersatz") in der Hand zerborsten. Nicht nur, daß T-Shirt und Hemd überschüttet waren, beide Hände sind von kleineren und größeren Schnitten übersät und ich blutete wie ein Schwein. Den tiefsten Schnitt bekam ich kaum gestillt, selbst auf meinen Kartoffelkloß hatte ich Blutflecken. Aber das Schlimmste kam erst noch: ich hatte kaum zu Ende gegessen (noch in klitschnaßer Hose und Shirt schließlich wollte ich das Essen nicht kalt werden lassen), da kroch ein mittlerer Schock in mir hoch, meine Eltern schilderten mir, ich würde kreideweiß, mir wurde übel und schwindlig. Aber nach kurzer Zeit beruhigte sich auch dieses wieder. Glücklicherweise hatte ich noch saubere Klamotten im Koffer und nach dem Umziehen sah die Welt schon wieder so freundlich aus, daß ich nun doch nicht grußlos an der Grenzstation Veitsbronn vorbeifuhr, sondern nach einem Kaffeetrinken (für mich natürlich Mineralwasser) artig meinen Personalausweis zur Ausreise über den Weißwurstäquator vorzeigte. Nur fahren lassen wollte Vater mich nicht mehr, dazu saß mir der Schock wohl noch zu tief in den Gliedern.
Aber dann erreichten wir doch noch halbwegs unbeschadet die Heimat und ich brauche meine Schnittwunde wohl doch nicht mehr nähen lassen.
So, liebe Leute, [vorstehend ...] konntet ihr meinen ausführlichen Bericht über meine Tage in Wien lesen. Nun will ich noch versuchen, ein kurzes Fazit zu ziehen:
Meine Tage in Wien anno 1999 waren ein toller Erfolg. Mein Dank gilt insbesondere (in chronologischer Reihenfolge)
Als persönliches Fazit bleiben mir folgende Dinge:
Servas,
Frank - Fürst von Bünde